Der Blick aus dem Fenster mag heute Morgen noch täuschen, denn während sich das für die jüngsten Schneefälle verantwortliche Tief langsam in Richtung Nordwestpolen verabschiedet und uns eine kurze Verschnaufpause gönnt, braut sich von Westen her bereits die nächste Wetterküche zusammen. Liebe Leserinnen und Leser in Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern, wir stehen vor einer klassischen und zugleich tückischen Wetterlage, bei der warme Luftmassen auf einen ausgekühlten Boden treffen.

Dies ist genau die Mischung, die Meteorologen und Autofahrer gleichermaßen fürchten, da sie binnen Minuten Straßen in spiegelglatte Rutschbahnen verwandeln kann. Besonders der heutige Dienstagnachmittag und die kommende Nacht erfordern Ihre volle Aufmerksamkeit im Straßenverkehr.
Die aktuelle meteorologische Situation ist geprägt von einem spannenden Kampf der Luftmassen. Ein sogenannter Höhenkeil versucht zwar, seinen Einfluss geltend zu machen, wird jedoch von dem abziehenden Tief blockiert, was den Weg frei macht für feuchte und mildere Luft vom Atlantik. Diese Warmluft schiebt sich über die am Boden liegende Kaltluft, was meteorologisch als Warmluftadvektion bezeichnet wird. Das Resultat sehen wir am Himmel, der sich von Westen her zunehmend mit dichten Wolkenfeldern zuzieht. Während es in den Morgenstunden in den östlichen Mittelgebirgen, etwa im Bayerischen Wald oder im Fichtelgebirge, noch letzte Schneeflocken rieseln können, richtet sich unser Blick besorgt gen Westen.
Bereits am heutigen Mittag erreichen die ersten Ausläufer dieser Front Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. In den Niederungen entlang des Rheins, von Köln bis Koblenz und weiter hinauf bis Mainz, fällt der Niederschlag meist als Regen. Doch Vorsicht ist geboten, sobald Sie sich in etwas höhere Lagen oder in windgeschützte Täler begeben. Im Sauerland, der Eifel, dem Westerwald und dem Hunsrück trifft der Regen auf gefrorene Böden. Hier besteht akute Gefahr von gefrierendem Regen, der sich sofort als Eispanzer auf Straßen, Autos und Gehwege legt. Im höheren Bergland von Nordrhein-Westfalen, speziell in Lagen oberhalb von 600 Metern wie im Kahlen Asten, mischt sich anfangs noch Schnee unter, bevor auch hier die Glättegefahr durch Eisregen am Abend signifikant ansteigt.


Mit fortschreitender Tageszeit verlagert sich das Geschehen nach Osten und erfasst Hessen und den Norden Bayerns. Für Hessen bedeutet dies ab dem späten Nachmittag eine heikle Phase. Während es im Rhein-Main-Gebiet um Frankfurt oft nur regnet, sieht es in Nord- und Osthessen anders aus. In den Tälern rund um den Vogelsberg, die Rhön und im Kasseler Becken hält sich die Kaltluft zäh. Wenn hier der Niederschlag einsetzt, müssen wir mit erheblicher Glatteisbildung rechnen, die lokal durchaus Unwetterpotenzial besitzt. Hochauflösende Wettermodelle deuten darauf hin, dass die Kaltluft in Bodennähe durch eine schwache östliche Strömung immer wieder nachgeliefert wird, was den gefrierenden Regen konserviert.
In Bayern, speziell in Unter- und Oberfranken sowie der Oberpfalz, kommt dieser Wetterumschwung erst gegen Abend und in der Nacht zum Mittwoch an. Nach einem teils neblig-trüben Start in den Tag ziehen auch hier Wolken auf. Im westlichen Franken beginnt es dann zu schneien oder zu regnen. Da die Temperaturen in den fränkischen Tälern und Muldenlagen sowie im Bayerischen Wald häufig noch im Frostbereich liegen, ist die Gefahr von Blitzeis hier besonders heimtückisch. Es kann sein, dass Sie auf trockener Straße losfahren und plötzlich in einen Bereich mit gefrierendem Regen geraten.

Die Nacht zum Mittwoch verspricht keine Entspannung, sondern verlagert das Gefahrengebiet nur weiter. Die Niederschlagszone breitet sich bis zu einer Linie von der Unterweser bis zum Vogtland aus. Interessanterweise sorgt die sogenannte Niederschlagsabkühlung im Norden – etwa vom Emsland bis nach Ostwestfalen – dafür, dass der Regen wieder in Schnee übergeht. Hier können bis zum Mittwochmorgen durchaus einige Zentimeter Neuschnee zusammenkommen, was den Berufsverkehr zusätzlich behindern dürfte. Weiter südlich, im zentralen Bergland Hessens und Bayerns, hält sich die Glatteisgefahr hartnäckig, da die Temperaturen in den Tälern kaum über den Gefrierpunkt steigen.
Wer heute und in der kommenden Nacht unterwegs sein muss, sollte zwingend mehr Zeit einplanen und den Fuß vom Gas nehmen. Rechnen Sie damit, dass Streudienste im Dauereinsatz sind, aber nicht überall gleichzeitig sein können. Gerade auf Brücken, in Waldschneisen und auf wenig befahrenen Nebenstrecken kann die Fahrbahn spiegelglatt sein, ohne dass man es ihr ansieht. Auch Fußgänger sollten auf gefrorenes Kopfsteinpflaster und vereiste Treppen achten. Es ist ratsam, das Auto wenn möglich stehenzulassen, sobald der Eisregen einsetzt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass uns eine klassische winterliche Milderungsphase bevorsteht, die jedoch ihre Tücken hat. Der Übergang von der Frostluft hin zu etwas milderen Temperaturen vollzieht sich nicht geräuschlos, sondern bringt uns eine gefährliche Mischung aus Schnee, Regen und vor allem Eis. Bleiben Sie wachsam, verfolgen Sie die lokalen Warnmeldungen im Radio und kommen Sie sicher durch diesen turbulenten Wettertag.
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