Haben Sie die Winterreifen schon auf ihre Tauglichkeit geprüft? Wenn nicht, könnte genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür sein. Die aktuelle Wetterlage über Deutschland stellt viele Verkehrsteilnehmer und Fußgänger in den kommenden Stunden vor Herausforderungen. Eine nasskalte Witterung dominiert das Geschehen, und während es in den Niederungen oft bei Regen bleibt, verwandeln sich höhere Lagen zunehmend in eine Winterlandschaft. Nach unserer meteorologischen Einschätzung steuern wir auf eine Phase zu, in der Vorsicht das oberste Gebot ist.
Die Nacht zum Dienstag: Ein Tanz der Tiefdruckgebiete
Die atmosphärische Konstellation ist derzeit komplex und äußerst dynamisch. Deutschland liegt im Einflussbereich eines sogenannten Langwellentroges – stellen Sie sich dies als eine ausgedehnte Zunge kalter Luft vor, die sich von Nordeuropa bis hinunter zum Mittelmeer erstreckt. In diesem Szenario spielen zwei Hauptakteure eine entscheidende Rolle: Ein Tiefdruckgebiet, das wir hier “Ulf” nennen, zieht unter Abschwächung in Richtung der Eifel und bringt feuchte Luft mit sich. Gleichzeitig formiert sich südlich der Alpen ein zweites Tief, “Wolfgang”, das massiven Einfluss auf das Wettergeschehen im Süden nehmen wird.
Was bedeutet das konkret für Sie? Wir beobachten drei Hauptzonen beim Niederschlag. Ein Gebiet mit Schauern bewegt sich von Westen in die Mitte des Landes. Während die Mengen hierbei überschaubar bleiben, ist die Temperaturverteilung entscheidend: Die Grenze, ab der Schnee fällt, pendelt sich meist um 600 Meter ein.
Spannender – und potenziell gefährlicher – wird es im Süden und Südwesten. Wenn Sie im Breisgau oder in den höheren Lagen rund um den Feldberg unterwegs sind, müssen Sie in der zweiten Nachthälfte mit neuen Niederschlägen rechnen. Oberhalb von 800 bis 1000 Metern verwandelt sich der Regen hier in Schnee, was für eine dünne, weiße Auflage sorgen kann.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert jedoch der Südosten. Hier gehen die Regenfälle nahtlos in eine Phase über, bei der wärmere Luft auf kältere aufgleitet. Dies betrifft insbesondere Regionen wie das Berchtesgadener Land oder den Raum Traunstein. Hier sinkt die Schneefallgrenze im Laufe der Nacht wieder deutlich ab. An den Alpenrändern können wir Neuschneemengen zwischen 5 und 10 Zentimetern erwarten.
Achtung Glättegefahr: Auch wenn Sie keinen Schnee sehen, ist die Gefahr nicht gebannt. In Gebieten, in denen es zuvor geregnet hat und die Temperaturen in der Nacht in den leichten Frostbereich rutschen, droht überfrierende Nässe. Ein besonders kritisches Signal sehen wir im äußersten Südosten Bayerns, nahe der Grenze zu Österreich. Bevor der Regen in Schnee übergeht, kann hier kurzzeitig gefrierender Regen auftreten – eine Situation, die Straßen binnen Sekunden in Eisbahnen verwandeln kann.
Der Dienstag: Dauerregen im Tal, Neuschnee am Berg
Im Laufe des Dienstags verlagert sich der Schwerpunkt des Geschehens. Während sich das westliche Tief langsam auflöst, intensiviert sich der Einfluss des Tiefs “Wolfgang”, das nun Richtung Kroatien zieht. Für den Westen und Südwesten bedeutet dies weiterhin unbeständiges Wetter mit Schauern. Im Bergland oberhalb von 600 Metern bleibt es winterlich. Besonders im Hochschwarzwald rechnen unsere Modelle mit ergiebigeren Niederschlägen, die oberhalb von 800 Metern für signifikanten Neuschneezuwachs sorgen werden.
Im Südosten, etwa vom Allgäu bis hinüber nach Oberbayern, halten die Niederschläge an. In den Staulagen der Alpen sind innerhalb von 12 Stunden bis zu 10 Zentimeter Neuschnee möglich. Falls Sie im Flachland wohnen, werden Sie eher Regen erleben, doch die nasskalte Luft sorgt für ungemütliche 1 bis 4 Grad. Lediglich am Oberrhein, etwa in der Region Karlsruhe, könnte das Thermometer auf bis zu 6 Grad klettern.
Im Osten, speziell in Richtung Dresden und dem Erzgebirgsvorland, ist die Lage noch etwas unsicher. Es ist möglich, dass die Niederschlagsfelder auch hierher ausgreifen und in höheren Lagen für eine weiße Überraschung sorgen.
Ausblick auf Mittwoch: Die Kaltluft sickert ein
In der Nacht zum Mittwoch stellt sich die Wetterlage um. Der Wind dreht auf nördliche Richtungen und öffnet damit den Weg für polare Kaltluft. Das Resultat: Die Temperaturen in der Höhe fallen deutlich, was die Schneefallgrenze bis in die Niederungen drückt.
Dies betrifft vor allem den Osten und Süden. In der Lausitz sowie im südlichen Alpenvorland müssen Sie damit rechnen, dass der Regen in Schnee übergeht und auch in tieferen Lagen liegen bleibt. Je nach Modellberechnung sind im Stau der Alpen auch größere Schneemengen möglich. Nördlich der Mittelgebirge bleibt es dagegen oft trocken, aber frostig. Planen Sie also am Mittwochmorgen etwas mehr Zeit für den Weg zur Arbeit ein – Eiskratzen ist fast überall vorprogrammiert.
Fazit und meteorologische Einordnung
Warum erleben wir aktuell diesen Rückfall in winterliche Muster?
Die Ursache liegt in einer klassischen “Troglage”. Der eingangs erwähnte Langwellentrog fungiert wie eine Rutsche für kalte Luftmassen aus dem hohen Norden. Gleichzeitig saugen die Tiefdruckgebiete an der Vorderseite dieses Troges Feuchtigkeit an. Wenn diese Feuchtigkeit auf die herangeführte Polarluft trifft, entsteht Niederschlag, der aufgrund der niedrigen Temperaturen als Schnee fällt.
Zum besseren Verständnis der Begriffe:
- Schneefallgrenze: Dies ist die Höhe, ab der Niederschlag nicht mehr als Regen, sondern als Schnee den Boden erreicht. Aktuell sinkt diese Grenze, da kältere Luftmassen zu uns strömen. Liegt Ihr Wohnort unterhalb dieser Grenze, sehen Sie nur Regen oder Schneeregen.
- Aufgleitniederschläge: Dies beschreibt einen Prozess, bei dem leichtere Warmluft auf schwerere Kaltluft aufgleitet (ähnlich wie bei einer Rolltreppe). Beim Aufsteigen kühlt die Luft ab, kondensiert und es beginnt gleichmäßig und oft langanhaltend zu regnen oder zu schneien. Genau das sorgt im Süden aktuell für die dauerhaften Niederschläge.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Winter klopft nicht nur an, er tritt in den höheren Lagen und im Süden bereits durch die Tür. Passen Sie Ihre Fahrweise den Bedingungen an und bleiben Sie wachsam bezüglich lokaler Glättewarnungen.
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