Der Kampf zwischen der eisigen Kälte der vergangenen Tage und der milden Atlantikluft geht in die entscheidende Phase. Während der Westen Deutschlands bereits frühlingshafte Temperaturen genießt, hält sich der Winter im Osten hartnäckig in Bodennähe fest. Doch warum ist die Glättegefahr trotz steigender Temperaturen noch nicht vollständig vorüber?

Die extreme Unwetterlage durch gefrierenden Regen, die weite Teile des Landes in Atem hielt, entspannt sich zusehends, ist jedoch noch nicht vollständig ausgestanden. Das Tiefdruckgebiet „Gunda“ hat hierbei als entscheidender Türöffner fungiert und energisch mildere Meeresluftmassen vom Atlantik zu uns geführt. Diese Luftmassenveränderung hat die strengen Fröste der letzten Woche zwar vielerorts verdrängt, doch wer nun glaubt, dass der Winter damit landesweit kapituliert hat, sollte insbesondere in den östlichen und südöstlichen Landesteilen weiterhin Vorsicht walten lassen. Wir befinden uns derzeit in einer meteorologischen Pattsituation: Während die milde Luft in der Höhe bereits weit vorangekommen ist, fehlt ihr in Bodennähe oft noch die Durchschlagskraft, was dazu führt, dass es auf den Straßen und Wegen teilweise noch gefährlich glatt bleiben kann.
Zweigeteiltes Deutschland: Wo der Frühling anklopft und wo Frost herrscht
Die aktuelle Wetterlage präsentiert sich als klassische Zweiklassengesellschaft, die das Land meteorologisch spaltet. Im Westen und Südwesten hat sich die Milderung bereits voll durchgesetzt, unterstützt durch einen auflebenden Wind, der die Luftschichten effektiv durchmischt. In Regionen wie dem Rheinland oder dem Emsland zeigen die Thermometer inzwischen Werte deutlich über der 5-Grad-Marke an. In geschützten Lee-Lagen der Mittelgebirge sind lokal sogar bis zu 12 Grad möglich – Werte, die eher an einen Vorfrühlingstag erinnern als an Mitte Januar. Hier bestimmt eine feuchte, aber milde Witterung das Bild, und die Gefahr von Glätte ist weitgehend gebannt.

Ganz anders und deutlich komplexer sieht die Situation hingegen östlich der Elbe und in Teilen Bayerns aus. Hier, etwa in der Uckermark, im Landkreis Görlitz oder im Bayerischen Wald, leistet die schwere Kaltluft am Boden erbitterten Widerstand. Obwohl auch hier in höheren Luftschichten (etwa in 1500 Metern Höhe) wärmere Luft einfließt, fehlt am Boden der kräftige Wind, um diese Wärme bis zum Erdboden durchzumischen. Die Temperaturen verharren hier oft zäh nur knapp um den Gefrierpunkt oder sogar leicht im Minusbereich. Ein entscheidender Faktor ist dabei der Boden selbst: Da der Frost der letzten Wochen noch tief im Erdreich steckt, kühlen die Straßenbeläge sofort wieder aus. Selbst leichter Sprühregen oder Nieselregen kann auf diesem unterkühlten Untergrund augenblicklich gefrieren. Die großen, flächendeckenden Unwetter sind zwar vorbei, doch die heimtückische Glätte durch Überfrieren bleibt ein lokaler Risikofaktor, den Sie keinesfalls unterschätzen sollten.
Der Ausblick: Grau in Grau mit Lichtblicken
Am Mittwoch und Donnerstag setzt sich dieses Muster weitgehend fort, wobei sich die Wetteraktivität etwas beruhigt. Ein schwacher Tiefdruckausläufer überquert die Nordsee und streift den Norden Deutschlands. Er bringt zwar keine signifikanten Niederschlagsmengen, sorgt aber dafür, dass es vielerorts stark bewölkt oder neblig-trüb bleibt. Die Sonne tut sich schwer, diese feuchte Decke zu durchdringen. Während Sie im Süden, besonders im Alpenvorland und im Lee der südlichen Mittelgebirge, durchaus Chancen auf längere sonnige Abschnitte haben, dominiert im Rest des Landes meist das Grau.
Der Wind spielt dabei eine untergeordnete Rolle, was die erwähnte fehlende Durchmischung begünstigt. Lediglich in den Hochlagen der Mittelgebirge, wie etwa auf dem Brocken oder im Hochschwarzwald, frischt er zeitweise stürmisch auf. Erst zum Donnerstag hin beruhigt sich das Wetter weiter, wobei die Nächte im Osten und Süden bei aufklarem Himmel wieder frostig werden können – inklusive der damit verbundenen Reifglätte am Morgen, wenn die feuchte Luft auf den kalten Boden trifft.
Fazit: Warum ist das aktuell so?
Sie fragen sich vielleicht, warum es trotz der angekündigten Milderung mancherorts immer noch glatt ist, während andernorts fast schon Jackenwetter herrscht. Die meteorologische Ursache liegt in der sogenannten stabilen „Schichtung“ der Atmosphäre in Verbindung mit fehlendem Wind.
Physikalisch betrachtet ist warme Luft leichter als kalte. Sie gleitet derzeit auf die schwere, kalte Luft am Boden auf, ohne sie vollständig zu verdrängen. Fachleute sprechen hier von einer fehlenden Durchmischung mangels Luftdruckgegensätzen (Gradient). Solange kein kräftiger Wind die Luftschichten wie einen Mixer „umrührt“, bleibt die Kälte wie ein schwerer See in den Niederungen und Tälern liegen, während es darüber schon deutlich wärmer ist.
Zusammenfassend gilt für Ihre Planung:
- Entspannung: Die akute, landesweite Unwettergefahr durch massives Glatteis ist vorüber; die Situation normalisiert sich langsam.
- Vorsicht: Im Osten und Südosten (z.B. Brandenburg, Ostbayern) bleibt der Boden tiefgefroren. Rechnen Sie hier weiterhin mit Restglätte durch überfrierende Nässe oder Reif, auch wenn das Thermometer leichte Plusgrade zeigt.
- Trend: Es bleibt mild, aber oft grau und feucht. Die höchsten Temperaturen werden im Westen erwartet, während der Osten nur zögerlich nachzieht.
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