Ein harmloser Rettungsversuch im eigenen Haus kann bei Starkregen schnell tödlich enden. Ein aufwendiges Experiment in einer Feuerwehrschule zeigt nun auf, warum das Wasser Kellertüren unüberwindbar macht – und wie man sich im absoluten Notfall noch retten kann.
Wenn bei extremen Wetterlagen gewaltige Wassermassen in Gebäude eindringen, laufen die Kellerräume als Erstes voll. Der erste Reflex vieler Hausbesitzer ist es dann häufig, schnell nach unten zu eilen, um Waschmaschinen oder persönliche Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen. Doch genau dieses Verhalten ist lebensgefährlich und kann innerhalb von Sekunden zur tödlichen Falle werden. Ein Experiment des Formats “pur+”, veröffentlicht auf dem YouTube-Kanal „Terra X plus“, demonstriert in Zusammenarbeit mit der Feuerwehrschule Würzburg die gewaltigen Naturkräfte, die in einem überfluteten Untergeschoss wirken.
Der unsichtbare Feind: Stromschlag und Dunkelheit
Roland Denke, Feuerwehrdirektor an der Feuerwehrschule Würzburg, warnt eindringlich vor den ersten, oft übersehenen Gefahren, sobald das Wasser durch Kanäle oder Kellerfenster eindringt. Bereits bei einem Wasserstand von wenigen Zentimetern besteht höchste Lebensgefahr durch Stromschläge, da Steckdosen und offenliegende Leitungen schnell überflutet werden.
Das Wasser wird in solchen Momenten stromführend. Wer das Wasser berührt, riskiert schwere Verletzungen oder den Tod. Fällt glücklicherweise nur die Sicherung heraus, stehen Betroffene plötzlich in absoluter Dunkelheit. Ohne Orientierung und Lichtquelle wird eine Flucht aus dem überschwemmten Raum nahezu unmöglich.
Wasserdruck macht Türen zur Betonmauer
Um die physischen Kräfte des Wassers zu veranschaulichen, begab sich ein Reporter für das Experiment in einen speziell dafür konstruierten Übungskeller. Mit enormer Wucht wurden 3.000 Liter Wasser pro Minute in den Raum gepumpt – das entspricht etwa 20 Badewannenfüllungen. Innerhalb kürzester Zeit stieg der Pegel.
Der Selbsttest zeigte drastisch: Sobald das Wasser nur einen halben Meter hoch in den Keller drückt, lässt sich die Tür von innen nicht mehr öffnen. Der Feuerwehrdirektor erklärt dies mit dem fehlenden Gegendruck. Das Wasser presst mit einem Gewicht von mehreren tausend Kilogramm gegen das Türblatt. Für einen Menschen ist es physisch ausgeschlossen, diese Kraft aufzubringen. Auch die Flucht durch das Kellerfenster scheiterte im Test, da die nachströmenden Wassermassen den Reporter immer wieder in den Raum zurückdrückten.
Die einzige Rettungsmöglichkeit im Extremfall
Wer tatsächlich im Keller eingeschlossen ist, dem bleibt laut den Erkenntnissen aus dem Experiment paradoxerweise nur eine lebensrettende Option: warten. Die Betroffenen müssen ausharren, bis das Wasser im gesamten Raum bis zur Decke gestiegen ist und sich der Pegel auf beiden Seiten der Kellertür angeglichen hat.
Erst wenn der Wasserdruck von innen und außen identisch ist, lässt sich die Tür wieder bewegen. Der Reporter musste im Test tief Luft holen und durch die vollständig überflutete Tür nach draußen tauchen. Er beschreibt die Erfahrung im eiskalten, dunklen Wasser als „den absoluten Horror“. Im realen Ernstfall gäbe es keine Sicherungstaucher, die im Notfall eingreifen könnten.
Wie Starkregen entsteht und worauf zu achten ist
Starkregen tritt meist dann auf, wenn die Lufttemperatur am Boden deutlich wärmer ist als in der Höhe und zudem eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Steigt diese warme Luft schnell auf, reißt sie große Mengen an Feuchtigkeit in einem engen Kanal nach oben. Es bildet sich ein massiver Wolkenturm. Bricht dieser unter dem Gewicht des eigenen Wassers zusammen, entladen sich die Massen schlagartig als Starkregen über einem eng begrenzten Gebiet.
Das Fazit der Experten ist unmissverständlich: Sobald bei Starkregen Wasser in das Haus strömt, darf der Keller unter keinen Umständen mehr betreten werden. Kein materieller Gegenstand ist es wert, das eigene Leben in einer solchen Wasserfalle zu riskieren.
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