Faktencheck

Der Winter kommt! Oder doch nicht? Ein Blick auf die alljährliche Panikmache.

Meinung des Autors: Kaum haben wir den berühmt-berüchtigten „Höllensommer 2025“ offiziell abgesagt und die Badehosen gegen Regenjacken eingetauscht, da lauert schon das nächste meteorologische Schreckgespenst hinter der nächsten Schlagzeile: “Experten warnen: Der Winter 2025/26 könnte eiskalt und schneereich werden!”

Natürlich. Wie jedes Jahr. Und wie jedes Jahr läuft es ungefähr so ab: Irgendein “Langfristmodell” wird irgendwo von irgendwem falsch interpretiert, ein paar frostige Fantasien werden dazugepackt und schon titelt irgendein Boulevardblatt vom kältesten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnung oder mindestens seit der letzten Eiszeit. Das ist journalistische Tradition, so sicher wie der Lebkuchen ab September im Supermarktregal.

Die „Experten“ und ihr Kristallkugelwissen

Wer denkt, dass es sich hier um handfeste Wissenschaft handelt, irrt. Was hier als „Experteneinschätzung“ verkauft wird, ist oft nicht mehr als meteorologisches Kaffeesatzlesen mit großem Unterhaltungswert. Es wird gewarnt, spekuliert und suggeriert, was das Zeug hält – schließlich müssen Klickzahlen generiert und Werbebanner verkauft werden. Die große Wahrheit lautet jedoch: Keiner weiß heute, wie der Winter wird. Niemand.

Aber hey, das stört die Medienmaschinerie wenig. Der Gedanke an „Weiße Weihnachten“ ist einfach zu verlockend. Glühwein in der Hand, Schneeflocken am Fenster, das romantische Kopfkino läuft sofort an. Dass wir am Ende wieder bei +8 Grad und Nieselregen sitzen, stört dann auch niemanden mehr. Bis zum nächsten Jahr.

Die Spinne Thekla und das Netz der Winterpanik

Man könnte sagen, das alles ist wie bei Biene Maja – nur ohne den Charme. Statt Honig gibt’s Schlagzeilen, statt fröhlicher Insekten eine Spinne namens “Thekla” in Form reißerischer Artikel, die uns Jahr für Jahr einspinnen und fesseln. Und wir fallen jedes Mal wieder darauf rein, mit der gleichen Begeisterung, mit der wir auch jedes Jahr dieselbe Marzipankartoffel kaufen, obwohl sie genauso schmeckt wie letztes Jahr.

Und natürlich braucht es das passende Bild

Ein Artikel über den kommenden Jahrhundertwinter ohne dramatisches Bild? Unmöglich! Da müssen vereiste Straßen, bibbernde Rentner und zugeschneite Autos her. Denn wie heißt es so schön: Das Auge friert mit. Und wenn schon kein echter Schnee da ist – Photoshop macht’s möglich!

Fazit: Winterprognosen? Nein danke

Also, lassen Sie sich gesagt sein: Wenn Sie demnächst die Worte „eiskalt“, “Kältehammer” oder gar „Schneebombe“ lesen, denken Sie einfach an die Lebkuchen im Supermarkt. Auch die sind jedes Jahr früher da, auch wenn noch niemand wirklich Appetit drauf hat. Der Winter wird kommen. Irgendwann. Irgendwie. Vielleicht.

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Thomas Arnold

Thomas Arnold (Jahrgang 1966) ist ein renommierter Nachrichtenjournalist und verfügt über mehr als 30 Jahre Expertise in der regionalen Berichterstattung sowie der Kommunikation von Sicherheits- und Gefahrenlagen. Nach seiner fundierten Ausbildung in namhaften Verlagshäusern baute er seine Laufbahn als Lokal- und Krisenreporter für diverse Tageszeitungen im In- und Ausland sukzessive aus. Diese tiefgreifende journalistische Praxis schärfte seinen Blick für präzise, faktenbasierte Informationsvermittlung. Heute verantwortet er als profilierter Redakteur das Ressort Lokalnachrichten und Regionalberichterstattung der Meteozentrale. Mit seiner Fähigkeit, komplexe meteorologische Sachverhalte und kritische Warnlagen schnell, klar und handlungsorientiert aufzubereiten, ist er eine maßgebliche journalistische Stimme für Öffentlichkeit und Medienpartner. More »
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