Feuchte und energiereiche Luftmassen überqueren heute weite Teile des Landes von West nach Ost. Am Nachmittag entlädt sich diese atmosphärische Spannung in teils kräftigen Gewittern, die lokal großen Hagel, Sturmböen und heftigen Starkregen bringen können. Wer heute im Freien oder auf den Straßen unterwegs ist, sollte den Himmel genau beobachten und sich auf rasche Wetterwechsel einstellen.
Schwüle Gewitterluft erfasst die Regionen
Ein unruhiger und potenziell gefährlicher Wettertag steht uns bevor. Deutschland befindet sich derzeit in einer Strömung aus Nordwesten, die feuchte und warme Luft subtropischen Ursprungs direkt zu uns transportiert. Diese feuchte Luftmasse sorgt dafür, dass es sich im Laufe des Tages zunehmend schwül und drückend anfühlt. Während der Vormittag in vielen Regionen noch mit dichteren Wolkenfeldern und kleineren Regenschauern startet, heizt die Sonne den Boden am Mittag stellenweise auf. Sobald sich Lücken in der Wolkendecke bilden, steigt die Gewehrgefahr drastisch an, da die erwärmte Luft wie ein unsichtbarer Heißluftballon rasant nach oben schießt.
Warum der Himmel heute lokal brodelt
Die Ursache für diese Wetterlage ist ein Zusammenspiel aus mehreren meteorologischen Phänomenen. Diagonal über der Mitte des Landes liegt heute eine sogenannte Tiefdruckrinne. Dies ist ein langgestreckter Bereich mit niedrigem Luftdruck, der wie eine Sammelrinne für Feuchtigkeit wirkt und die Luft zum Aufsteigen zwingt. Gleichzeitig zieht in der Höhe ein sogenannter Kurzwellentrog über uns hinweg. Dabei handelt es sich um eine kleine Störung mit kalter Luft in hohen Atmosphärenschichten, die wie ein Zündfunke auf die feucht-warme Luft am Boden wirkt.

Durch diese Konstellation baut sich in der Atmosphäre viel sogenannte labile Schichtung auf. Die Meteorologen messen dies in der Maßeinheit CAPE, der verfügbaren Energie für aufsteigende Luftmassen. Da zusätzlich der Wind mit der Höhe seine Richtung und Geschwindigkeit stark ändert – ein Phänomen, das man Windscherung nennt –, können sich die Gewitter heute stark organisieren.


Neben normalen Multizellen, also der Ansammlung mehrerer Gewitterwolken, können sich heute auch langlebige Superzellen bilden. Das sind rotierende Riesengewitter, die besonders großen Hagel und heftige Fallböen, sogenannte Downbursts, erzeugen. Bei diesen Fallböen stürzt kalte Luft aus der Wolke explosionsartig zu Boden und breitet sich dort mit Sturmstärke aus.
Hagelschlag und Sturmböen über Hessen möglich
In Hessen ist die Luft heute besonders geladen. Nachdem am Vormittag noch schauerartiger Regen durchzieht, steigt ab dem Nachmittag das Risiko für Unwetter spürbar an. Die Gewitterzellen können sich von der nordhessischen Senke rund um Kassel bis hinunter in die Mainmetropole und ihr dichtes Umland formieren.
Örtlich drohen heftiger Starkregen, Hagel und schwere Sturmböen. Das Thermometer zeigt im Gießener Becken milde 21 Grad, in der Frankfurter Region sommerliche 23 Grad und in den klimatisch begünstigten Lagen der Bergstraße bis zu 27 Grad. Auf den exponierten Höhenzügen wie der Wasserkuppe in der Rhön bleibt es bei frischen 20 Grad windig. Erst in der Nacht beruhigt sich das Wetter von Westen her wieder.
Schwüle Hitze bringt Gewitter im Osten von Rheinland-Pfalz
Über Rheinland-Pfalz und dem Saarland entlädt sich die feuchte Atlantikluft am Nachmittag vor allem in Richtung der östlichen Landesteile. Während sich im weiten Mosel-Saar-Dreieck rund um die Römerstadt Trier und im Westen der Eifel die Wetterlage am Nachmittag bei rund 26 Grad bereits wieder stabilisiert und die Sonne hervorkommt, steigt die Gewitterwahrscheinlichkeit entlang der Rheinschiene und im Wonnegau an. Hier sind lokale Gewitter mit Starkregen und Sturmböen wahrscheinlich.
Die Temperaturen erreichen schwüle Höchstwerte zwischen 22 und 29 Grad. Ein Blick auf den Mittwoch zeigt bereits den nächsten Wettertrend: Dann strömt noch heißere Luft ein, die das Thermometer in der sonnigen Vorderpfalz auf schweißtreibende 31 Grad klettern lässt.
Gewitterfront zieht über das fränkische Weinland und die Oberpfalz
In Nordbayern kündigt sich heute der Wechsel zu einem deutlich heißeren Witterungsabschnitt an. Eine Warmfront zieht im Laufe des Tages von Westen her über das Land. Der Tag beginnt meist stark bewölkt mit zeitweiligem Regen, doch ab dem Nachmittag bilden sich im feuchtwarmen Umfeld kräftige Gewitter.

Diese treffen das fränkische Weinland rund um Würzburg ebenso wie das Vorland des Bayerischen Waldes um Regensburg. Die Temperaturunterschiede sind heute beachtlich: Während das Fichtelgebirge im Osten bei bewölkten 19 Grad verharrt, erwärmt sich die Luft am Untermain in Aschaffenburg auf schwüle 26 Grad. Auf den Schwarzwald-ähnlichen Gipfeln wie dem Großen Arber werden dagegen nur kühle 13 Grad erreicht.
Wechselspiel aus Regen und Gewitterwolken über Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen verläuft das Wetter heute etwas gedämpfter, aber nicht minder wechselhaft. Am Vormittag fällt vor allem in der Südhälfte und im angrenzenden Bergland schauerartiger Regen, bei dem am Morgen bereits erste Blitze zucken können. Am Nachmittag besteht im Südosten und am Rande des Sauerlandes eine geringe Wahrscheinlichkeit für einzelne, stärkere Gewitter mit Starkregen.

Die Temperaturen sind zweigeteilt: Während im feuchten Ostwestfalen-Lippe eher mäßige 21 Grad gemessen werden, steigt das Quecksilber in der Eifel-Übergangsregion in begünstigten Tälern auf bis zu 27 Grad. Am Mittwoch zieht am Nachmittag von Westen her neuer Regen auf, die Temperaturen bleiben mit bis zu 27 Grad aber warm.

Fazit und Alltagstipp
Der heutige Dienstag bringt uns eine klassische, schwülwarme Gewitterlage, die sich von West nach Ost über das Land schiebt und örtlich eng begrenzte Unwetter mit sich bringt. Schon am Mittwoch setzt sich von Südwesten her vorübergehend wieder deutlich stabilere und noch wärmere Luft durch. Für den heutigen Nachmittag lautet der wichtigste Tipp für Ihren Alltag: Verlassen Sie sich nicht blind auf den blauen Himmel, sondern werfen Sie vor dem Verlassen des Hauses oder vor Autofahrten einen kurzen Blick auf ein hochauflösendes Regenradar. Die Gewitter ziehen heute sehr unberechenbar und treffen einzelne Orte mit voller Wucht, während Nachbargemeinden leer ausgehen.
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