Ich bin Peter Richter von der Meteoleitstelle. Der September beginnt mit einem leisen Rollenwechsel: Die Sonne steht tiefer, die Abende rücken vor, und doch halten sich noch spätsommerliche Kapitel im Spielplan. Astronomisch wird es am 22. September ernst – zur Tag-und-Nacht-Gleiche um 20:19 MESZ sind Tag und Nacht nahezu gleich lang; ab dann arbeitet die Dunkelheit täglich spürbar in Richtung Oktober. In Nordstädten wie Kiel schrumpft die Tageslänge im Monatsverlauf um rund zwei Stunden, in Südstädten wie Augsburg um deutlich mehr als anderthalb. Das ist kein Gefühl, das ist Geometrie – und die erklärt, warum der Grill plötzlich früher im Halbdunkel steht.
Altweibersommer und 30 Grad, wie steht es damit?
Was die 30-Grad-Frage angeht: In den seriösen Einschätzungen findet sich mittlerweile mehrfach der Hinweis, dass die Südhälfte – vom Oberrheingraben bis in Teile Niederbayerns – am Wochenende und kurz danach oberhalb 25 °C landet, punktuell bis an die 30 °C. Eine große Redaktion fasst es heute so zusammen: „Zum Wochenende kleines Sommer-Comeback – mancher Modelllauf zeigt Spitzen nahe 30 °C, das bestätigt auch ein DWD-Sprecher.“ Parallel dazu nennt der Prognosetrend „Lausitz bis 29 °C“ und den Osten teils bei 25–27 °C. Im Norden bleibt’s meist etwas kühler, aber auch freundlicher. Das Gesamtbild: spätsommerliche Fenster, vor allem im Süden und Südosten, während die Nordhälfte weiter im Wechsel von Auflockerungen und Frontresten steht.

Zum Jetzt-Zustand: Heute zeigt der Warnlagebericht noch die „Rest-Unruhe“ – im Westen/Nordwesten gebietsweise Starkregen, am Alpenrand einzelne Gewitter. Danach greifen zunehmend trockenere Abschnitte, der Wind dreht eher auf Süd bis Südwest und trägt in den wärmeren Phasen die Luft heran, mit der die Modelle die 25–30 °C-Spitzen simulieren. Genau dort setzt der klassische Altweibersommer-Charakter ein: frühherbstlich klare Morgen, nachmittags warm in der Sonne, abends schnelle Abkühlung. Weather.com beschreibt das Spannungsfeld hübsch pragmatisch: Im Süden in den nächsten Wochen „20 bis maximal 30 °C“, im Norden häufiger um 20 °C – und wechselhafter. Das deckt sich mit der DWD-Tendenz „wieder sonniger und wärmer am Wochenende“.

Wie geht der September weiter?
Gleichzeitig verweigert sich die Atmosphäre dem glatten Schnitt. Die erste Septemberwoche zeigt ein klassisches Übergangsbild: Fronten laufen aus Westen ein, Schauer und einzelne Gewitter mischen mit, doch zwischen den Wellen öffnen sich freundliche Fenster mit 20 bis 25 Grad – regional mehr. Das bestätigt die 10-Tage-Prognose des DWD, die in mehreren Sequenzen genau dieses „mal unbeständig, mal spätsommerlich“-Muster anlegt. Wer flexibel plant, erwischt die sonnigen Lücken.
Dass wir im September inzwischen öfter einen „Wärmebuckel“ erleben, ist kein Zufall. Der Rekord-September 2023 mit im Deutschland-Mittel 17,2 °C markiert, wie weit sich die Messlatte verschoben hat – fast vier Kelvin über dem alten Klimamittel. Seitdem reiht sich ein sehr warmes Jahr ans Nächste; Sommertage (≥ 25 °C) und Hitzetage (≥ 30 °C) sind häufiger, oft später im Jahr. Klimadaten von DWD und Umweltbundesamt zeichnen diese Linie nüchtern nach – und sie zeigt nach oben.

Was bedeutet das konkret für den September 2025? Nach jetzigem Stand pendelt die Witterung zwischen zwei Polen: atlantische Tiefausläufer bringen zeitweise Regen, auffrischenden Süd- bis Südwestwind und kühlere Nächte; in den Zwischenräumen setzt sich ein freundlicher, trockener Mix durch, der sich am Wochenende regional zu spätsommerlichen Tagen verdichten kann.
In der Nordhälfte profitieren Küstenorte und das Umland immer wieder von Auflockerungen hinter den Fronten, während es im Lee der Mittelgebirge trocken-milde Zonen gibt, die sich mit Quellwolken schadlos halten. Richtung Alpen nimmt an Nachmittagen die Schauerneigung vorübergehend zu, bevor ruhigere Phasen nachrücken. Das ist kein „Oktober im September“, eher ein Wippen um die 20-Grad-Marke – mit Option auf ein paar sehr milde Nachmittage.
Je weiter wir in die Monatsmitte schauen, desto häufiger taucht in den Modellbesprechungen das Wort „Blockierung“ auf. Gemeint ist eine Omegalage: Ein kräftiges Hoch lagert sich zwischen zwei Tieftrögen ein und zwingt die Westdrift in die Knie. Die Konsequenz sind träge, stabile Muster – dort, wo das Hoch liegt, oft mehrere trockene, überdurchschnittlich warme Tage; am Rand dagegen länger nasse Zonen. Solche Regime sind im erweiterten Vorhersagefenster erkennbar, auch wenn Details (Lage des Hochzentrums, Feuchteangebot) erst kurzfristig sicher sind. Für Mitteleuropa bedeutet ein günstiger Hochsitz: goldene Nachmittage sind selbst Ende September drin.
Dass der September dabei nicht automatisch trockener wird, zeigen die Klimareihen: Bei den Niederschlagsmengen gibt es historisch kein eindeutiges Plus oder Minus; bei der Sonnenscheindauer dagegen leichte Zuwächse. In Summe erklärt das unseren „September-Mix“ der letzten Jahre: mehr helle, milde Tage – aber immer im Wechsel mit Fronten, die aus Westen den Reset drücken. Für Planung heißt das: Tagestrip ja, aber mit Plan B im Rucksack.
Fazit: Der September 2025 ist kein Abschied auf Raten, sondern ein Taktwechsel. Die Physik des Himmels dreht das Licht herunter, die Dynamik der Atmosphäre lässt uns weiterhin auf spätsommerliche Fenster blicken. Wer jetzt draußen sein will, plant nach Tagesrand und Wind: vormittags oft ruhiger, nach Frontdurchgang freundliche Abschnitte, am Wochenende lokal spätsommerlich. Regenjacke und Sonnenbrille bleiben Teamkollegen – und das ist genau der Reiz dieses Monats.
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