Panorama

Winter 2025/26 in Deutschland: Markante Kontraste zwischen Nordost und Südwest

Der meteorologische Winter 2025/26 präsentierte sich in Deutschland außergewöhnlich zweigeteilt und war von extremen regionalen Unterschieden geprägt. Während der Nordosten des Landes von strengen Frostphasen, historischem Eisgang an der Ostsee und massiven Schneefällen dominiert wurde, erlebten der Westen und Südwesten eine überwiegend milde Witterung. Prägend für die Monate Dezember bis Februar waren wiederholte Grenzwetterlagen, die polare Kaltluftmassen im Norden mit milderen Strömungen im Süden kollidieren ließen. Besondere Aufmerksamkeit erforderten zwei gravierende Eisregen-Ereignisse im ostdeutschen Raum sowie ein bemerkenswerter Kälteeinbruch über die Weihnachtsfeiertage. Der Winter endete schließlich Ende Februar mit einem abrupten landesweiten Temperaturanstieg, der an vielen Stationen neue Rekordwerte für diese Jahreszeit brachte.

Die vorliegende Analyse stützt sich auf meteorologische Aufzeichnungen und synoptische Auswertungen für den Zeitraum von Dezember 2025 bis Februar 2026. Grundlage bilden die aggregierten Temperaturabweichungen im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1991 bis 2020. Das bundesweite Temperaturmittel erwies sich aufgrund der enormen regionalen Diskrepanzen als wenig aussagekräftig. Für eine valide Einordnung wurden stattdessen regionale Datenpunkte aus dem Nordosten sowie dem Südwesten herangezogen und mit historischen Extremwintern, wie jenen der Jahre 1928/29 und 1962/63, abgeglichen.

Maßgeblich für die ungewöhnliche Witterungsverteilung war eine persistente Blockierungslage in Form eines mächtigen Hochdruckgebiets über Skandinavien. Dieses System fungierte als arktischer Eisblock und lenkte mit einer strammen östlichen Strömung wiederholt polare Winterluft in die nord- und ostdeutschen Gebiete. In Kombination mit Tiefdruckgebieten, die von Westen und Südwesten heranzogen, stellten sich markante Grenzwetterlagen ein. An den Luftmassengrenzen kam es zu intensiven Aufgleitprozessen, bei denen feucht-milde Luft auf die bodennahe Kaltluftschicht traf. Dieses dynamische Muster war der Hauptantrieb für die erheblichen Niederschläge in Form von Schnee und gefährlichem Eisregen. Gleichzeitig schirmte das skandinavische Hochdrucksystem den Westen und Südwesten Deutschlands weitgehend von der polaren Kaltluft ab.

Winter an der Deutschen Ostseeküste. Der Dauerfrost der letzten Wochen hat das Meer vor der Insel Usedom zum erfrieren gebracht. Aufnahmen sind am 15. Februar 2026 gemacht worden.

Der Dezember begann zunächst mild und weitgehend unspektakulär. Bis zur Monatsmitte dominierten eingefahrene Blockierungslagen ohne winterliche Erscheinungen. Pünktlich zu den Weihnachtsfeiertagen vollzog sich jedoch eine drastische Wetterumstellung. Eine hochdruckgeprägte Ostströmung brachte viel Sonnenschein und Dauerfrost, begleitet von einem ruppigen Wind. Dies führte zu den kältesten Weihnachten seit dem Jahr 2010, auch wenn flächendeckender Schneefall zunächst ausblieb.

Mit dem Beginn des Januars übernahm Tiefdruckeinfluss die Regie. Ein Vorstoß polarer Kaltluft sorgte um den fünften Januar für eine beinahe landesweite Schneedecke. Wenige Tage später intensivierte ein kräftiges Wintertief die Lage. Die Kombination aus milder Luft im Süden und kalter Ostströmung im Norden führte insbesondere in Norddeutschland zu chaotischen Verhältnissen mit erheblichen Schneeverwehungen. Nach einer vorübergehenden Milderung zur Monatsmitte kehrte die Kälte Ende Januar zurück und brachte auch den südlichen Landesteilen starke Schneefälle.

Der Februar stand im Zeichen einer extremen Luftmassengrenze. Während der Westen mild blieb, strömte arktische Kaltluft in den Osten. In der ersten Februarwoche manifestierte sich dies in einer anhaltenden Eisregenlage, die weite Teile der ostdeutschen Infrastruktur lahmlegte. Die Nächte blieben im Nordosten bei strengem Frost eisig, was die Vereisung von Gewässern massiv beschleunigte. Erst gegen Ende Februar beendete ein drastischer Warmlufteinschub die winterliche Phase bundesweit abrupt.

Die regionalen Auswirkungen dieses Winters waren enorm. Norddeutschland, insbesondere der Hamburger Raum und die Küstengebiete, erlebte Anfang Januar eine seltene Schneefülle. Durch den sogenannten Lake-Effect fielen teils zwanzig bis dreißig Zentimeter Neuschnee, wobei sich die weiße Pracht bis auf die Insel Helgoland erstreckte. Ende Januar verlagerte sich der Schwerpunkt der Niederschläge in den Süden, wo von Franken über Nord-Baden-Württemberg bis nach Hessen und Thüringen lokal über zwanzig Zentimeter Neuschnee registriert wurden.

Im Norden/Nordosten lange winterlich – zum Winterfinale bundesweit vorfrühlingshaft
Das vorläufige Temperaturmittel lag im Winter 2025/26 mit 1,8 Grad Celsius (°C) um 1,6 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 (0,2 °C). Gegenüber der aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 (1,4 °C) betrug die Abweichung +0,4 Grad. Damit war es der 15. Winter in Folge mit positiver Anomalie, die Temperaturüberschüsse bewegten sich dabei jedoch im Rahmen der klimatologischen Schwankungsbreite. Einzig der Januar wies ein unterdurchschnittliches Temperaturniveau auf. Das bundesweite Minimum wurde am 6.1. in Oberstdorf mit -21,7 °C gemessen. In den nördlichen und nordöstlichen Landesteilen dominierte die winterliche Witterung am nachhaltigsten. Mit der kräftigen Milderung in der letzten Februardekade brach aber auch dort das Eis auf. Deutschlandweit folgte ein vorfrühlingshaftes Winterfinale mit prognostizierten Höchstwerten um 20 °C. Quelle DWD

Ein markantes Alleinstellungsmerkmal des Winters waren die katastrophalen Eisregenereignisse in der Bundeshauptstadt Berlin. Anhaltender Regen bei Minusgraden überzog Straßen und Oberleitungen mit einem massiven Eispanzer, was zur kompletten Einstellung des Straßenbahnverkehrs durch die Verkehrsbetriebe führte. Ebenso auffällig war die weitreichende Vereisung der Ostsee, wo starker Ostwind das Meereis zu meterhohen Barrieren auftürmte – ein Phänomen, das seit über einem Jahrzehnt nicht mehr in dieser Intensität beobachtet wurde.

Fazit

Der Winter 2025/26 geht als Jahreszeit der Extreme in die meteorologischen Annalen ein, ohne jedoch als absoluter Rekordwinter zu gelten. Die statistische Auswertung zeigt eine klare Dichotomie: Der Nordosten schloss mit einer negativen Abweichung von 0,9 Grad Celsius ab, während der Südwesten einen Wärmeüberschuss von 1,5 Grad Celsius verzeichnete. Trotz der lokal drastischen Auswirkungen durch Schnee und Eisregen im Norden und Osten blieben die absoluten Temperaturen weit hinter historischen Kältewintern zurück. Mit dem plötzlichen Wärmeeinbruch Ende Februar ist die markante Frostperiode endgültig beendet.

Weitere Quellen: Bis zu 65 Zentimeter dickes Meereis auf der Ostsee Deutschlandwetter im Winter 2026: Mild, trocken und recht sonnig

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Angelo D Alterio

Angelo D'Alterio analysiert seit dem Jahr 2013 professionell komplexe Wetterphänomene. Sein meteorologischer Schwerpunkt liegt auf der Synoptik und der Erstellung präziser Unwetterwarnungen. Im Jahr 2015 war er Mitgründer der Unwetteralarm Schweiz GmbH, wo er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2021 als Chef-Meteorologe die fachliche Leitung innehatte. In dieser Zeit kooperierte er unter anderem mit dem Meteorologen Jörg Kachelmann, um präzise Unwetterwarnungen für die Schweiz und Deutschland bereitzustellen (dokumentiert im Wikipedia-Eintrag von Kachelmann). Im Anschluss begleitete er maßgeblich den Aufbau der Meteoleitstelle Hessen, wo er bis heute seine Expertise bei der Auswertung lokaler Wettermodelle und der Herausgabe von verlässlichen Unwetterwarnungen einbringt. Aktuelle Wetter-Einschätzungen und fachliche Updates veröffentlicht Angelo D'Alterio regelmäßig auf seinen Profilen bei LinkedIn, Twitter/X, Facebook, Threads, Instagram und TikTok. More »
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