Nordwetter

Kaltluft-Keil über Norddeutschland: Bleiben die Temperaturen im Keller? Glatteis-Gefahr!

Großwetterlage Lageeinschätzung: Synoptik/Isobaren dienen als Hintergrund für den Nordbericht. Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage. Deutschland liegt weiterhin im Einflussbereich eines ausgedehnten Höhentroges, der sich von Nordeuropa bis zum Mittelmeer erstreckt. Dieser Trog, bildlich gesprochen eine gigantische atmosphärische Badewanne gefüllt mit Kaltluft, bestimmt das Wettergeschehen. Im Süden spaltet sich der Trog in zwei Äste …

Großwetterlage

Lageeinschätzung: Synoptik/Isobaren dienen als Hintergrund für den Nordbericht.
Europa-Isobarenkarte (Großwetterlage)

Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.

Deutschland liegt weiterhin im Einflussbereich eines ausgedehnten Höhentroges, der sich von Nordeuropa bis zum Mittelmeer erstreckt. Dieser Trog, bildlich gesprochen eine gigantische atmosphärische Badewanne gefüllt mit Kaltluft, bestimmt das Wettergeschehen. Im Süden spaltet sich der Trog in zwei Äste auf, einer zieht Richtung Iberische Halbinsel, der andere beeinflusst das Ionische Meer. An diesen Trog ist das Tief ULRIKE gekoppelt, welches in der kommenden Nacht von Litauen nach Belarus zieht und sich dabei abschwächt.

Westlich davon sorgt das Tief VIVIANA über dem Löwengolf für Unruhe. Zwischen diesen beiden Tiefdruckgebieten hat sich über Deutschland eine Tiefdruckrinne ausgebildet, eine Art “Autobahn” für Tiefausläufer, die immer wieder für Niederschläge sorgen können.

In dieser Tiefdruckrinne befindet sich eine Luftmassengrenze, die derzeit von Sachsen über Nordthüringen bis nach Nordrhein-Westfalen verläuft. Nördlich dieser Grenze sickert allmählich skandinavische Kaltluft ein, während südlich davon noch mildere Luftmassen vorherrschen.

Diese Konstellation führt gebietsweise zu leichten Niederschlägen, die in der Kaltluft als Schnee fallen. Besonders von der Weser ostwärts bis nach Brandenburg sind in der Nacht 1 bis 3 cm Neuschnee möglich, was vor allem durch Glättewarnungen abgedeckt wird. Im Übergangsbereich zur milderen Luft kann es lokal zu gefrierendem Sprühregen und Glatteisbildung kommen, besonders im Bergland und in ungünstigen Lagen.

Am Samstag verlagert sich der westliche Teil des Troges weiter ostwärts und ein Randtrog greift auch auf Deutschland über.

Gleichzeitig schiebt sich vom Nordostatlantik ein Höhenrücken in Richtung Westeuropa vor, der einen Hochkeil stützt. Dieser Keil, eine Art “atmosphärische Mauer” aus hohem Luftdruck, erstreckt sich vom Azorenhoch über Großbritannien bis zur Nordsee und kann im Tagesverlauf seinen Einfluss auch in Deutschland verstärken. Im Zusammenspiel mit dem Tief VIVIANA entsteht eine nordöstliche, später norddrehende Strömung, die die Kaltluft zunehmend auch bis zu den Alpen bringt. Der Hochkeil sorgt im Nordwesten für eine Wetterberuhigung, während im Süden Aufgleitniederschläge entstehen und sich verstärken.

🌡️ Temperatur-Film (48h)

Wetter-Wissen kompakt

Höhentrog

Ein Höhentrog ist eine langgestreckte Zone tiefen Luftdrucks in der oberen Atmosphäre, die sich oft als “Delle” in den Isobarenkarten (Linien gleichen Luftdrucks) darstellt. Diese Delle ist mit Kaltluft gefüllt und wirkt wie ein Staubsauger, der Luftmassen zum Aufsteigen zwingt. Durch das Aufsteigen kühlt die Luft ab, und es kommt häufig zur Wolkenbildung und zu Niederschlägen. Die Verlagerung eines Höhentrogs kann also weitreichende Auswirkungen auf das Wettergeschehen haben.

Luftmassengrenze

Eine Luftmassengrenze ist die Kontaktzone zwischen zwei Luftmassen mit unterschiedlichen Eigenschaften, wie Temperatur und Feuchtigkeit.

Diese Grenzen sind oft Schauplatz intensiver Wetteraktivitäten, da die unterschiedlichen Luftmassen miteinander interagieren. Kalte Luftmassen sind in der Regel dichter und verdrängen wärmere Luftmassen, was zu Hebungsprozessen, Wolkenbildung und Niederschlägen führen kann. Luftmassengrenzen können sich über hunderte von Kilometern erstrecken und das Wetter in großen Regionen beeinflussen.

Hochkeil

Ein Hochkeil ist eine Ausdehnung eines Hochdruckgebiets, die sich keilförmig in eine Region mit tieferem Luftdruck hineinschiebt. Hochdruckgebiete sind in der Regel mit absinkender Luft verbunden, was zu einer Stabilisierung der Atmosphäre und einer Auflösung von Wolken führt.

Ein Hochkeil kann also dazu beitragen, dass sich das Wetter beruhigt und die Sonne häufiger scheint. Die Verlagerung eines Hochkeils kann jedoch auch zu einer Änderung der Windrichtung und Temperatur führen.

Die wichtigsten Karten im Überblick

Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.
Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.

Wie wird das Wetter im Norden?

Niedersachsen & Bremen

In Niedersachsen und Bremen gestaltet sich der Tag wechselnd bewölkt mit zeitweisen Auflockerungen. Die Temperaturen erreichen Höchstwerte um -1°C in Bremen und 0°C in Emden bis 1°C in Hannover. Es ist mit einzelnen Schneeschauern zu rechnen, die vor allem im östlichen Niedersachsen zu Glätte führen können.

Die Nacht zum Sonntag bringt verbreitet Frost und Tiefstwerte von -3°C bis -6°C. Örtlich kann es durch überfrierende Nässe oder Schneefall zu Glatteisbildung kommen. Achten Sie auf die Straßenverhältnisse, besonders in den Morgenstunden!

Schleswig-Holstein & Hamburg

Schleswig-Holstein und Hamburg erleben einen trüben Tag mit dichten Wolken und einzelnen Schneeschauern. Die Höchsttemperaturen liegen bei -1°C. Der Wind weht schwach bis mäßig aus nordöstlicher Richtung. Achten Sie auf die Böen, die laut der Karte “WINDBÖEN HEUTE (Nachm.)” lokal bis zu 42 km/h erreichen können.

In der Nacht zum Sonntag sinken die Temperaturen auf -4°C bis -7°C. Es besteht die Gefahr von Glatteisbildung durch überfrierende Nässe oder Schneefall. Die Karte “TEMPERATUR NACHT (04 Uhr)” zeigt, dass es im Binnenland noch kälter werden kann.

Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich heute stark bewölkt bis bedeckt mit zeitweisen Schneefällen. Die Temperaturen erreichen maximal -1°C. Die Karte “TEMPERATUR HEUTE (15 Uhr)” zeigt die Temperaturen für den Nachmittag. Es besteht weiterhin die Gefahr von Straßenglätte.

Die kommende Nacht bringt klirrende Kälte mit Tiefstwerten von -6°C bis -9°C. Die Karte “TEMPERATUR NACHT (04 Uhr)” deutet sogar noch tiefere Temperaturen an. Aufgrund der kalten Temperaturen ist mit verbreiteter Glätte zu rechnen. Seien Sie besonders vorsichtig auf Brücken und in Senken!

Mittelfristige Aussichten

Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.

MOS 5‑Tage Prognosen

Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.

Temperatur

Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.

Niederschlag

Der 5-Tage-Trend im Detail

Wohin geht die Reise?

Die Temperaturtrendanalyse zeigt für Emden einen deutlichen Anstieg von durchschnittlich 0,5°C in der ersten Hälfte der kommenden fünf Tage auf 1,8°C in der zweiten Hälfte. In Neubrandenburg bleibt die Temperatur hingegen relativ konstant bei durchschnittlich -1°C. Die MOS-Temperaturprognosen für Hamburg, Bremen, Hannover, Rostock, Schwerin, Sylt, Emden und Lübeck deuten alle auf einen steigenden Trend hin. Insbesondere in Hamburg steigt die Durchschnittstemperatur von -3,2°C auf -1,3°C.

Die MOS-Niederschlagsprognosen zeigen für alle betrachteten Städte (Hamburg, Bremen, Hannover, Rostock, Schwerin, Sylt, Emden und Lübeck) einen stabilen Trend mit geringen Niederschlagsmengen.

Es ist also nicht mit einer signifikanten Zunahme der Niederschläge zu rechnen.

Fazit:Norddeutschland bleibt vorerst im Griff der Kaltluft. In der kommenden Nacht besteht verbreitet Glatteisgefahr durch überfrierende Nässe und Schneefall. Die Temperaturen sinken regional auf bis zu -10°C. Am Samstag setzt sich von Nordwesten her ein Hochdruckeinfluss durch, der die Wetterlage beruhigen wird.Allerdings bleibt es kalt, und es ist weiterhin mit Frost zu rechnen. Ein leichter Temperaturanstieg ist erst in der zweiten Hälfte der kommenden Woche zu erwarten.

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