Panorama

Warum die „Mittagshitze“ gefährlich ist, obwohl es oft erst später am heißesten wird

Die Hitze bleibt in Deutschland das bestimmende Wetterthema. In der Mitte, im Süden und zunehmend auch im Norden steigen die Temperaturen verbreitet auf hochsommerliche Werte. Besonders im Westen und Südwesten wird die Wärmebelastung teils sehr hoch, örtlich rückt…

Die Hitze bleibt in Deutschland das bestimmende Wetterthema. In der Mitte, im Süden und zunehmend auch im Norden steigen die Temperaturen verbreitet auf hochsommerliche Werte. Besonders im Westen und Südwesten wird die Wärmebelastung teils sehr hoch, örtlich rückt sogar die 40-Grad-Marke in Reichweite. Wer jetzt nur auf die Tageshöchsttemperatur schaut, übersieht aber einen wichtigen Punkt: Die stärkste Sonneneinstrahlung und die höchste gemessene Lufttemperatur fallen nicht auf denselben Zeitpunkt. Genau darin steckt der kleine, aber entscheidende Unterschied zwischen „Mittagshitze“ und Nachmittagshitze.

Hitze breitet sich weiter aus

Nach aktuellem Stand sorgt hoher Luftdruck über Mitteleuropa dafür, dass aus südlichen Richtungen sehr warme bis heiße Luft nach Deutschland gelangt. Am Mittwoch erfasst die Hitze auch den Norden deutlicher, während der Westen und Südwesten weiterhin zu den heißesten Regionen gehören. In den kommenden Tagen bleibt die Hitzewelle nach der offiziellen Gefahreneinschätzung mindestens bis Sonntag ein Thema; einzelne Hitzegewitter können vor allem in den südlichen Mittelgebirgen und an den Alpen auftreten.

Die Hitze bleibt in Deutschland das bestimmende Wetterthema. In der Mitte, im Süden und zunehmend auch im Norden steigen die Temperaturen verbreitet auf hochsommerliche Werte. Besonders im Westen und Südwesten wird die Wärmebelastung teils sehr hoch, örtlich rückt sogar die 40-Grad-Marke in Reichweite. Wer jetzt nur auf die Tageshöchsttemperatur schaut, übersieht aber einen wichtigen Punkt: Die stärkste Sonneneinstrahlung und die höchste gemessene Lufttemperatur fallen nicht auf denselben Zeitpunkt. Genau darin steckt der kleine, aber entscheidende Unterschied zwischen „Mittagshitze“ und Nachmittagshitze.

Für viele Menschen bedeutet das: Die Belastung kommt nicht nur durch den Spitzenwert am Thermometer. Entscheidend ist auch, wie lange es heiß bleibt, wie stark die Sonne scheint, ob die Nächte abkühlen und ob man sich im Schatten oder in der direkten Sonne aufhält. Der Körper interessiert sich nämlich wenig dafür, ob die Wetterstation korrekt in zwei Metern Höhe im Schatten misst. Er merkt nur: „Das ist gerade ziemlich viel Sommer auf einmal.“

Warum der heißeste Wert oft erst am Nachmittag kommt

Viele sprechen von der Mittagshitze, wenn sie die größte Hitze des Tages meinen. Meteorologisch ist das nicht ganz falsch, aber eben auch nicht vollständig. Die höchste Lufttemperatur wird im Sommer häufig erst am Nachmittag erreicht, manchmal sogar am frühen Abend. Beispiele aus der aktuellen Hitzelage zeigen genau das: Saarbrücken-Burbach erreichte 37,5 Grad erst gegen 15.50 Uhr, Kitzingen 37,3 Grad gegen 16.50 Uhr, in Kahl am Main stieg die Temperatur sogar bis etwa 18.20 Uhr weiter an.

Der Grund ist einfach: Die Atmosphäre reagiert träge. Sie ist kein Lichtschalter, der um 12 Uhr auf „maximal heiß“ klickt und danach sofort wieder herunterdimmt. Der Boden, die Straßen, Dächer und Felder nehmen Energie auf und geben sie nach und nach an die Luft ab. Solange mehr Energie nachkommt, als gleichzeitig wieder verloren geht, steigt die Temperatur weiter.

Man kann sich das wie ein Konto vorstellen: Am Vormittag zahlt die Sonne immer mehr Energie ein. Um die Mittagszeit ist die Einzahlung besonders kräftig. Danach wird zwar langsam weniger eingezahlt, aber es landet immer noch mehr auf dem Konto, als abgehoben wird. Erst später am Tag kippt die Bilanz. Dann reicht die Sonneneinstrahlung nicht mehr aus, um die zunehmende Abkühlung auszugleichen. Der Tageshöchstwert ist erreicht, und die Temperatur beginnt zu sinken.

Mittagshitze meint vor allem die direkte Sonne

Warum also warnen wir trotzdem davor, die Mittagshitze zu unterschätzen? Weil der Begriff im Alltag weniger die gemessene Lufttemperatur im Schatten meint, sondern die Belastung durch direkte Sonnenstrahlung.

Die offiziellen Temperaturwerte werden nicht in der prallen Sonne gemessen, sondern normgerecht im Schatten und gut belüftet. Wer mittags auf Asphalt, an einer Hauswand oder auf einem offenen Platz steht, erlebt eine andere Realität. Die Sonne steht in Deutschland im Sommer um den frühen Nachmittag herum am höchsten am Himmel. Ihre Strahlen treffen dann besonders steil auf die Erde. Dadurch ist die Strahlungsbelastung für Haut, Kreislauf und Augen besonders groß.

Am späten Nachmittag kann die Lufttemperatur zwar höher sein, die Sonne steht aber flacher. Das reduziert die direkte Strahlungsintensität. Es bleibt heiß, keine Frage. Aber die Art der Belastung verändert sich. Mittags dominiert die Kraft der Sonne, später am Tag dominiert die aufgeheizte Luft. Beides ist unangenehm, nur auf unterschiedliche Weise. Die Hitze hat also gewissermaßen zwei Schichten: oben die Sonne, unten die Warmluft. Sehr rücksichtsvoll ist keine von beiden.

Schatten ist kein Luxus, sondern Wetterstrategie

Bei Temperaturen über 30 Grad wird Schatten zu einem echten Schutzfaktor. Das gilt besonders für ältere Menschen, Kinder, Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen und alle, die draußen arbeiten oder Sport treiben. Wer Wege, Einkäufe oder körperlich anstrengende Tätigkeiten planen kann, sollte die Stunden mit starker Sonne meiden und eher den Morgen oder den späteren Abend nutzen.

Wichtig ist auch: Eine Wetterstation im Schatten kann 34 Grad melden, während sich ein Platz in der Sonne deutlich heißer anfühlt. Asphalt und Steinflächen speichern zusätzlich Wärme. In Innenstädten kann sich dadurch ein Hitzepolster bilden, das sich abends nur langsam abbaut. Genau deshalb sind tropische Nächte so belastend: Wenn die Temperatur kaum sinkt, bekommt der Körper keine echte Pause.

Warum „Abendhitze“ kaum jemand sagt

Eigentlich müsste man bei vielen Hitzetagen häufiger von Nachmittagshitze oder sogar früher Abendhitze sprechen. Der Begriff klingt allerdings ungefähr so eingängig wie „Restenergieüberschuss der bodennahen Luftschicht“. Also bleibt es im Alltag bei der Mittagshitze.

Fachlich hilft die Unterscheidung trotzdem. Wer mittags draußen ist, sollte die starke Sonnenstrahlung ernst nehmen. Wer am Nachmittag unterwegs ist, muss dagegen mit der höchsten Lufttemperatur rechnen. Das eine ist der Strahlungsstress, das andere die aufgeheizte Luftmasse. Beide können den Kreislauf belasten, besonders wenn wenig Wind geht und die Luft zusätzlich feucht ist.

Einzelne Gewitter bringen nicht automatisch Entlastung

In der sehr warmen Luft können sich regional Hitzegewitter bilden. Das betrifft nach aktueller Einschätzung vor allem süddeutsche Mittelgebirge und den Alpenrand. Punktuell sind kräftige Entwicklungen mit Starkregen und stürmischen Böen möglich. Solche Gewitter sind aber lokal. Sie treffen nicht jeden Ort, und sie bringen oft nur dort kurzzeitig Abkühlung, wo sie tatsächlich durchziehen.

Für die meisten Regionen bleibt daher zunächst die Hitze der Hauptpunkt. Ein einzelner Schauer ist kein flächiger Wetterwechsel, sondern eher der kurze Versuch der Atmosphäre, einmal den Deckel anzuheben. Danach kann es bei Sonnenschein schnell wieder schwül und warm werden.

azit: Die Hitze hat mehr als eine Uhrzeit

Die Mittagshitze sollte man meiden, weil die Sonne dann besonders kräftig wirkt. Die höchste Lufttemperatur wird aber oft erst später erreicht, weil Boden und Atmosphäre die Wärme zeitverzögert speichern und abgeben. Das ist kein Widerspruch, sondern zwei Seiten derselben Hitzelage.

Für den Alltag heißt das: In der prallen Sonne besonders zur Mittagszeit vorsichtig sein, körperliche Anstrengung verschieben, genug trinken, Innenräume früh lüften und tagsüber möglichst abschatten. Die Hitze macht derzeit keine kleinen Brötchen. Aber wer versteht, wann welche Belastung am größten ist, kann den Tag deutlich besser planen.

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