Deutschland steckt zunächst noch in einer kühlen, windigen und wechselhaften Wetterphase. Regen, Schauer, einzelne Gewitter und zeitweise kräftiger Wind bestimmen das Bild bis zum Wochenende. Doch danach stellt sich die Wetterküche um: Ab der kommenden Woche wird es vor allem im Süden und Südwesten spürbar wärmer, regional sogar heiß. Einzelne Modellrechnungen zeigen zum kalendarischen Sommeranfang sogar extreme Spitzenwerte nahe 39 Grad. Das ist aber noch kein fertiger Wetterfahrplan, sondern ein deutliches Warnsignal aus der Modellwelt.
Der Sommer macht erst einmal Pause
Wer Mitte Juni automatisch an Badesee, Grillabend und laue Sommernacht denkt, wird derzeit noch ausgebremst. Die Luft über Deutschland ist mäßig warm, feucht und vom Atlantik geprägt. Das bedeutet: viele Wolken, wiederholt Regen oder Schauer, dazu ein Wind, der sich zeitweise eher nach April als nach Hochsommer anfühlt.

Besonders am Alpenrand kommt bis in die Nacht zum Samstag teils länger anhaltender Regen zusammen. Vom Chiemgau bis zum Berchtesgadener Land sind regional Mengen um oder über 30 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 18 bis 24 Stunden möglich. Dazu lebt der Westwind auf den Bergen, an der See und am Samstag auch in vielen Landesteilen spürbar auf. In Schauernähe und exponierten Lagen sind stürmische Böen möglich, lokal auch Sturmböen.

Das ist noch keine große Sommerhitze, sondern eher die nasse und windige Vorderseite eines Wetterwechsels. Die Atmosphäre räumt gewissermaßen auf, bevor sich aus Südwesten deutlich wärmere Luft heranschieben kann.
Am Wochenende: große Unterschiede zwischen Nord und Süd
Am Samstag und Sonntag zeigt sich Deutschland zweigeteilt. Im Norden und Nordosten bleibt das Wetter anfälliger für Schauer, einzelne Gewitter und kräftige Böen. Besonders an den Küsten, in höheren Lagen und in Schauer- oder Gewitternähe kann es ruppig werden. Kleinkörniger Hagel oder Graupel ist bei einzelnen Gewittern ebenfalls möglich.
Weiter südlich und südwestlich beruhigt sich die Lage dagegen schrittweise. Dort setzt sich zeitweise schon leichter Hochdruckeinfluss durch. Das bedeutet nicht überall strahlend blauen Himmel, aber die Richtung stimmt: weniger Regen, mehr freundliche Abschnitte und langsam steigende Temperaturen.
Am Sonntag reicht die Spanne grob von eher frischen Werten um 18 Grad im Norden bis zu frühsommerlichen 26 Grad am südlichen Oberrhein und Hochrhein. Genau dieser Temperaturunterschied zeigt schon, wohin die Reise gehen kann: Der Südwesten steht an der Eingangstür zur Sommerluft, während der Norden noch vom Atlantik angefasst wird.
Ab Dienstag wird die Luftmasse deutlich wärmer
Der eigentliche Umschwung beginnt nach aktuellem Stand ab Dienstag. Dann wird es im Norden zwar noch nicht heiß, aber auch dort steigen die Temperaturen wieder etwas. Im Süden und Südwesten sieht die Sache anders aus: Am südlichen Oberrhein sind bereits bis 30 Grad möglich. Am Mittwoch und Donnerstag können im Südwesten sogar bis 33 Grad erreicht werden.

Der wärmste Tag wird derzeit für Mo, 22.06. mit etwa 37 °C berechnet. Die kühlste Nacht liegt nach aktuellem Stand bei etwa 9 °C in der mittleren Trendphase. Sommertage mit mindestens 25 °C tauchen 10-mal auf; daraus entsteht ein alltagstaugliches Wärmesignal, aber nicht automatisch eine durchgehende Hitzelage.
Damit ist die Sommerluft zurück. Aber sie kommt nicht wie mit einem Lichtschalter für ganz Deutschland gleichzeitig. Der Südwesten ist zuerst dran, danach entscheidet die genaue Lage von Hochdruckzone, Tiefausläufern und Windrichtung, wie weit die heiße Luft nach Norden und Osten vorankommt.
Man kann sich die Wetterlage wie eine Tür vorstellen: Südwestlich von Deutschland steht sehr warme bis heiße Luft bereit. Ob diese Tür nur einen Spalt aufgeht oder weit aufgedrückt wird, entscheidet die Druckverteilung über West- und Mitteleuropa. Liegt Deutschland günstig an der West- oder Südwestflanke eines Hochs, kann die Hitze sehr schnell nach Norden vorstoßen. Kippt die Strömung wieder auf West oder Nordwest, wird sie genauso schnell wieder abgedrängt.
Die 39 Grad: mögliches Modell-Signal, aber keine sichere Vorhersage
Der auffällige Punkt in der aktuellen Wettergeschichte sind die sehr hohen Temperaturspitzen, die einzelne Modellläufe für den Zeitraum um den 20. und 21. Juni zeigen. Dabei tauchen regional Werte nahe 37, 38 oder sogar 39 Grad auf. Das passt zur Aussage, dass die Hitze „über Nacht“ sehr nahekommen kann.

Der wärmste Tag wird derzeit für Mo, 22.06. mit etwa 36 °C berechnet. Die kühlste Nacht liegt nach aktuellem Stand bei etwa 8 °C in der mittleren Trendphase. Sommertage mit mindestens 25 °C tauchen 6-mal auf; daraus entsteht ein alltagstaugliches Wärmesignal, aber nicht automatisch eine durchgehende Hitzelage.
Aber genau hier muss sauber getrennt werden: Eine Modellrechnung ist keine Beobachtung und auch kein Versprechen. Sie zeigt eine mögliche Entwicklung, wenn mehrere Stellschrauben zusammenpassen: sehr warme Luft aus Südwesten, viel Sonne, trockene Böden, wenig Wolken, günstige Druckverteilung und keine vorherige Gewitterabkühlung.
Die Hitzetendenz ist also ernst zu nehmen. Die 39-Grad-Marke ist nach aktuellem Stand aber noch der obere Rand der Möglichkeiten. Redaktionell sauber heißt das: Hitze wird wahrscheinlicher, Extremhitze bleibt noch unsicher.
Wo die Hitze am ehesten ankommt
Die besten Chancen auf hohe Temperaturen haben zunächst der Südwesten und Westen. Dazu gehören vor allem der Oberrhein, Teile von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland und später auch Hessen. Dort ist der Weg für Warmluft aus Frankreich und Südwesteuropa am kürzesten.
Im Norden und Nordwesten ist die Lage deutlich gedämpfter. Dort kann gemäßigte Meeresluft länger mitspielen. Das bedeutet: mehr Wolken, mehr Wind, geringere Temperaturspitzen und eher ein Sommer auf Sparflamme. Das ist kein schlechtes Wetter, aber eben nicht dieselbe Hitzegeschichte wie im Südwesten.

Auffällig ist weniger ein einzelner Ausreißer, sondern die wiederholte Aktivität über mehrere Tage. Das spricht für eine unruhigere Wetterphase.
Spannend wird zum Wochenende die Südosthälfte. Dort kann es sehr warm bis heiß werden, gleichzeitig steigt aber auch das Risiko für Schauer und kräftige Gewitter. Hitze und Gewitter gehören im Sommer oft zusammen: Je mehr Energie und Feuchte in der Luft liegt, desto kräftiger können einzelne Entwicklungen ausfallen, wenn der passende Auslöser dazukommt. Für Freitag bis Sonntag werden besonders in der Südosthälfte gebietsweise Schauer und teils kräftige Gewitter gesehen, während der Nordwesten eher von gemäßigter Meeresluft profitieren kann.
Gewitter können die Hitze bremsen oder verschärfen
Bei solchen Wetterlagen ist nicht nur die Temperatur entscheidend. Wichtig ist auch, wie feucht die Luft wird und ob Gewitterlinien entstehen. Am Donnerstag können im Westen und Nordwesten kräftige Schauer und Gewitter aufziehen, lokal auch mit Unwetterpotenzial. In der Nacht zum Freitag können weitere Schauer und Gewitter nach Norden und Osten ziehen.
Das kann zwei Dinge bedeuten. Einerseits können Gewitter die heiße Luft lokal ausräumen und für Abkühlung sorgen. Andererseits können sie dort, wo sie kräftig werden, Starkregen, Hagel und Sturmböen bringen. Nicht jeder Ort bekommt ein Gewitter ab. Aber dort, wo Zellen langsam ziehen oder sich organisieren, kann es kurzzeitig ordentlich zur Sache gehen.
Gerade deshalb ist diese Lage kein Fall für einfache Schlagzeilen. Es geht nicht um „alle bekommen 40 Grad“ und auch nicht um „überall Unwetter“. Es geht um eine Wetterlage mit hohem Temperaturpotenzial, regionalen Gegensätzen und einer wachsenden Gewitterkomponente.
Warum der Wechsel so schnell wirken kann
Der Sprung von kühlem Windwetter zu Hitze wirkt für viele Menschen abrupt. Meteorologisch ist er aber gut erklärbar. Deutschland liegt derzeit noch auf der kühleren Seite der Wetterküche. Die Luft kommt vom Atlantik, ist wechselhaft und wird durch Tiefdruckgebiete immer wieder durchmischt.
Fazit: Sommer ja, 40 Grad noch mit Fragezeichen
Deutschland steht vor einem markanten Wetterwechsel. Zunächst bleiben Regen, Schauer, einzelne Gewitter und Wind Thema. Danach steigt die Temperaturkurve deutlich an. Im Süden und Südwesten sind ab der kommenden Woche sommerliche bis heiße Werte wahrscheinlich, regional über 30 Grad.
Die große Frage lautet nicht, ob es wärmer wird. Das zeichnet sich klar ab. Die Frage lautet, wie weit die Hitze nach Deutschland hineinkommt und ob einzelne Regionen tatsächlich in Richtung 38 bis 40 Grad laufen. Dafür müssen die Modellrechnungen in den nächsten Läufen stabil bleiben.
Bis dahin gilt: Der Sommer meldet sich zurück, aber noch nicht als endgültig ausgebuchtes Hitzepaket. Die Atmosphäre hat die Zutaten auf den Tisch gelegt. Jetzt entscheidet sich, wie scharf daraus gekocht wird.
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