Haben Sie sich beim Blick aus dem Fenster heute Morgen auch gefragt, ob die Sonne überhaupt aufgegangen ist? Die aktuelle Wetterlage gleicht einem zähen Ringen zweier Giganten, das sich direkt über unseren Köpfen abspielt. Als Meteorologen beobachten wir derzeit eine klassische Pattsituation: Ein mächtiges Hochdruckgebiet über Russland blockiert den Weg nach Osten, während vom Atlantik immer wieder Tiefdruckgebiete gegen dieses Bollwerk anlaufen. Das Ergebnis für Sie ist eine Wetterküche, in der die Zutaten nur sehr langsam verrührt werden.
Ein Mittwoch zwischen Nieselregen und Nebelgrau
Heute, am Mittwoch, spüren wir die Auswirkungen dieser Blockade deutlich. Eine schwache Störung versucht, sich vom Emsland bis ins Münsterland durchzusetzen, läuft sich aber bildlich gesprochen „tot“. Was meteorologisch als „ageostrophische Strömung“ bezeichnet wird, bedeutet für Ihren Alltag schlichtweg: Es weht ein schwacher Wind aus südlichen Richtungen, der aber kaum Kraft hat, die Luftmassen wirklich auszutauschen. Rechnen Sie hier vereinzelt mit leichtem Sprühregen, der jedoch meist harmlos bleibt.

Spannender – und trüber – ist die Lage im Süden und Osten. Die Luftmassen sind zwar in der Höhe für die Jahreszeit eigentlich zu mild (wir messen in etwa 1500 Metern Höhe Temperaturen um den Gefrierpunkt), aber am Boden sammelt sich die Kälte. Man spricht hier von einer Inversionswetterlage: Die kalte Luft ist schwer und bleibt wie Wasser in einer Wanne am Boden liegen, während die warme Luft darüber hinweggleitet. Besonders in den Regionen um Augsburg und Landshut müssen Sie sich daher erneut auf einen grauen Tag einstellen. Der Hochnebel wirkt wie ein Deckel, unter dem die Temperaturen kaum über null Grad steigen.
Vorsicht in der Nacht: Wo es glatt werden kann
In der Nacht zum Donnerstag wird es komplexer. Ein Rest eines atmosphärischen Troges (ein Gebiet tiefen Luftdrucks in der Höhe) schwenkt über den Westen herein. Das bringt etwas Niederschlag in die Eifel und das Rothaargebirge. Seien Sie hier bitte vorsichtig: Trifft der Regen auf den gefrorenen Boden oder reißt die Wolkendecke vorher kurz auf, kann es stellenweise zu gefährlichem Glatteis kommen. Auch in Vorpommern fällt noch etwas Nieselregen, während es sonst oft frostfrei bleibt.

Donnerstag: Der Friedhof der Wetterfronten
Der Donnerstag setzt das Muster fort: Tiefausläufer versuchen erneut, Boden nach Osten gutzumachen, scheitern aber am hohen Luftdruck. Eine solche Front findet ihr Ende über Deutschland, sobald sie am Abend unsere westlichen Grenzen erreicht.
Die Chancen auf Sonnenschein schwinden leider für viele von uns. Die zähe Hochnebeldecke breitet sich weiter aus und umfasst nun Gebiete von der Wetterau bis in die Pfalz sowie von der Spree bis in den Raum Potsdam. Wenn Sie hingegen in Duisburg oder Essen wohnen, könnten Sie Glück haben und einige Sonnenstrahlen erhaschen. Die Temperaturen bewegen sich dabei meist zwischen 4 und 9 Grad, unter dem Dauergrau im Süden bleibt es jedoch winterlich kalt.
Der Ausblick auf Freitag: Ein Hauch von Winter im Osten?
Zum Start ins Wochenende nähert sich ein neues, kräftiges Sturmtief den Britischen Inseln. Dies hat für uns zur Folge, dass die Luftströmung etwas anzieht. In der Nacht zum Freitag und am Freitagvormittag kann es von Görlitz bis zum Berchtesgadener Land Niederschläge geben. Da die Temperaturen hier teils um den Gefrierpunkt pendeln, ist von Regen bis Schnee alles möglich. Gerade in den Morgenstunden ist in den östlichen Mittelgebirgen erhöhte Vorsicht geboten – hier kann es glatt werden.
Gleichzeitig lebt der Wind im Nordwesten auf. Auf den Ostfriesischen Inseln kündigt sich eine unruhige Nacht zum Samstag an, in der Sie mit stürmischen Böen rechnen müssen.
Fazit: Warum ist das Wetter aktuell so “festgefahren”?
Sie fragen sich sicher, warum sich das Wetter kaum ändert, obwohl wir doch Dezember haben. Die Antwort liegt in der Strömungskonstellation. Wir befinden uns in einer Art “Sandwich-Position”.
- Das blockierende Hoch: Östlich von uns liegt ein massives Hochdruckgebiet. Es wirkt wie eine Mauer und verhindert, dass frischer Wind und dynamisches Wetter schnell durchziehen können.
- Die Inversion: Ein Begriff, der in diesem Artikel oft fiel. Normalerweise wird Luft kälter, je höher man kommt. Bei einer Inversion ist es umgekehrt: Unten liegt ein Kaltluftsee (Nebel, Grau), oben ist es wärmer (Sonne auf den Bergen). Da im Winter die Sonne zu schwach ist, um diesen Kaltluftsee “wegzuheizen”, bleibt das trübe Wetter in den Niederungen oft tagelang bestehen.
- Alterung der Luft: Da kein frischer Wind weht, “altert” die Luftmasse bei uns. Sie reichert sich mit Feuchtigkeit an, was zu dem beschriebenen Dauergrau und Sprühregen führt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wir stecken in einer ruhigen, aber trüben Wetterphase. Wirkliche Winterstürme oder massiver Schneefall sind vorerst nicht in Sicht, aber die Gefahr von überfrierender Nässe durch den Sprühregen sollten Sie in den kühlen Nächten nicht unterschätzen.
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