Nordwetter

Kommt der Frühling mit Macht? Nebel und Frost gefährden die Nacht im Norden.

Großwetterlage

Lageeinschätzung: Synoptik/Isobaren dienen als Hintergrund für den Nordbericht.
Europa-Isobarenkarte (Großwetterlage)

Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.

Die Wetterlage über Europa präsentiert sich komplex, dominiert von einem sogenannten Omega-Muster in den höheren Luftschichten. Dieses Muster, erkennbar durch einen Höhenrücken über Westeuropa, dessen Achse sich bis zur Norwegischen Westküste und zur Rheinmündung erstreckt, und einem Trog im Osten, beeinflusst maßgeblich das Wettergeschehen in Norddeutschland. Ein Trog ist dabei wie eine Delle in der Atmosphäre zu verstehen, die mit Kaltluft gefüllt ist und die Luftmassen zum Aufsteigen zwingt.

Aktuell befinden wir uns auf der Rückseite dieses Troges, wodurch die kälteste Luft nach Osten abgedrängt wird.

Die Folge sind abklingende Schauer, die sich in Richtung Vorpommern, Berlin/Brandenburg und Sachsen zurückziehen. Am Erzgebirge kann es durch die nordwestliche Anströmung vorübergehend zu Staueffekten kommen, die die Schneefallgrenze in stärkeren Schauern bis auf 700 Meter absinken lassen. Nennenswerte Neuschneemengen sind jedoch nur in den Kammlagen zu erwarten.

Über Norddeutschland lockert die Bewölkung nach den Schauern teilweise auf.

In der feuchten Grundschicht, über vielfach gesättigten und teils noch gefrorenen Böden, bildet sich gebietsweise dichter Nebel, begünstigt durch den schwachen Wind im Bereich eines Zwischenhochkeils. Eisreste im Küstenbereich verstärken diesen Effekt noch. Die Ruhe ist jedoch trügerisch, denn vom Westen nähert sich eine Warmfront, die Warmluftadvektion einleitet. Warmluftadvektion beschreibt den Transport von Warmluft in ein Gebiet, was in diesem Fall den bestehenden Höhenrücken überläuft.

Die letzten Schauer des Tages im Westen gehen nahtlos in neue, stratiforme Niederschläge über, die sich vom Rhein bis zum Bayerischen Wald und zu den Alpen ausbreiten.

Im Laufe des Dienstags geraten wir immer stärker unter den Einfluss des Höhenrückens. Am Boden weitet sich ein Hochdruckgebiet von Frankreich bis zum Böhmischen Becken aus, das von der Warmfront förmlich gespalten wird. Obwohl noch Warmluftadvektion vorhanden ist, wird diese durch die sich verstärkende NVA zunehmend überkompensiert.

NVA steht für Kaltluftadvektion, also den Transport von Kaltluft. Dies führt dazu, dass sich die Warmfront auflöst, sobald sie die Weser und Werra erreicht. Spätestens am Nachmittag fällt daraus nur noch vereinzelt etwas Regen oder Sprühregen.

In der Nacht zum Mittwoch schiebt sich die Hauptachse des Omegas immer mehr nach Mitteleuropa.

Die Warmfront löst sich auf, und der Schwerpunkt des Bodenhochs reicht als Brücke von Finnland über Polen bis zum Balkan. In der resultierenden schwachen, südöstlichen Strömung ist in der nach wie vor feuchten Grundschicht bei gesättigten Böden großflächig mit dichten Nebel- und Hochnebelfeldern zu rechnen.

Wetter-Wissen kompakt

Trog

Ein Trog ist eine langgestreckte Zone tiefen Luftdrucks in der oberen Troposphäre. Er ist durch eine “Delle” in den Höhenlinien auf Wetterkarten erkennbar.

Diese Delle ist mit Kaltluft gefüllt, die die umgebende Luft zum Aufsteigen zwingt. Dies führt oft zur Bildung von Wolken und Niederschlag.

Warmluftadvektion (WLA)

Warmluftadvektion bezeichnet den horizontalen Transport von warmer Luft in ein Gebiet durch den Wind. Sie kann zu einem Temperaturanstieg, einer Zunahme der Luftfeuchtigkeit und zur Bildung von Wolken führen. Die Warmfront, die sich aktuell nähert, bringt Warmluftadvektion mit sich.

Nebelbildung

Nebel entsteht, wenn die Lufttemperatur den Taupunkt erreicht oder unterschreitet.

Dies führt dazu, dass der in der Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert und sich in Form von kleinen Wassertröpfchen oder Eiskristallen in der Luft verteilt. Besonders in der Nacht, wenn die Temperaturen sinken und die Böden noch feucht sind, kann sich Nebel bilden.

🌬️ Wind-Strömung (NORD)

Die wichtigsten Karten im Überblick

Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.
Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.
Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.
Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.

REGENSUMME HEUTE (24h): Niederschlagsschwerpunkt nach Stadtwerten heute um 0.7 mm in Göttingen.

TEMPERATUR HEUTE (15 Uhr): Die Spannweite reicht heute grob von 4°C in Stralsund bis 12°C in Göttingen. Typisch ist der Gradient zwischen See und Land.

WINDBÖEN HEUTE (Nachm.): Diese Karte ergänzt die Lageeinschätzung für Norddeutschland.

TEMPERATUR NACHT (04 Uhr): Die Spannweite reicht heute grob von 4°C in Stralsund bis 12°C in Göttingen. Typisch ist der Gradient zwischen See und Land.

Wie wird das Wetter im Norden?

Niedersachsen & Bremen

In Niedersachsen und Bremen erwartet Sie ein wechselhafter Tag. Am Vormittag dominieren zunächst Wolken, die jedoch im Laufe des Tages auflockern können. Die Höchsttemperaturen erreichen Werte zwischen 11 und 12 Grad Celsius. Der Wind weht schwach bis mäßig aus südwestlichen Richtungen.

Am Abend und in der Nacht zum Mittwoch breitet sich gebietsweise dichter Nebel aus. Die Temperaturen sinken auf Werte zwischen 2 und 4 Grad Celsius, wobei in einigen Regionen leichter Frost nicht ausgeschlossen ist. Achten Sie auf mögliche Glättebildung, insbesondere auf Brücken und in Senken. Die Karte `temp_nacht` zeigt die zu erwartenden Tiefstwerte.

Schleswig-Holstein & Hamburg

Schleswig-Holstein und Hamburg erleben einen ähnlichen Tag. Nach anfänglichen Schauern lockert die Bewölkung auf, und es kann sich zeitweise die Sonne zeigen. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 6 und 8 Grad Celsius. Der Wind weht schwach bis mäßig aus westlichen Richtungen. Die Karte `regen_heute` zeigt die erwarteten Niederschlagsmengen.

In der Nacht zum Mittwoch bildet sich auch hier gebietsweise dichter Nebel. Die Temperaturen sinken auf Werte um den Gefrierpunkt, sodass mit Glättebildung gerechnet werden muss. Insbesondere in den tieferen Lagen ist Vorsicht geboten. Die Karte `radar` zeigt die aktuelle Niederschlagsentwicklung.

Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern startet mit Schauern in den Tag, die im Laufe des Vormittags abklingen. Am Nachmittag lockert die Bewölkung auf, und es kann sich zeitweise die Sonne zeigen. Die Höchsttemperaturen erreichen Werte zwischen 4 und 6 Grad Celsius. Der Wind weht schwach bis mäßig aus nordwestlichen Richtungen.

Auch hier bildet sich in der Nacht zum Mittwoch gebietsweise dichter Nebel. Die Temperaturen sinken auf Werte zwischen -1 und 2 Grad Celsius, sodass verbreitet mit Glättebildung gerechnet werden muss. Besonders in den ländlichen Gebieten ist Vorsicht geboten. Achten Sie auf die Karte `wind_heute` für die erwarteten Windböen am Nachmittag.

Mittelfristige Aussichten

Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.

MOS 5‑Tage Prognosen

Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.

Temperatur

Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.

Windböen

Der 5-Tage-Trend im Detail

Wohin geht die Reise?

Die Temperaturtrends für die kommenden fünf Tage zeigen einen deutlichen Anstieg. In Hamburg steigen die Durchschnittstemperaturen von 11.4°C in der ersten Hälfte auf 13.6°C in der zweiten Hälfte des Zeitraums. Ein ähnlicher Trend ist in Hannover zu beobachten, wo die Temperaturen von 12.8°C auf 15.0°C steigen. Die MOS-Daten bestätigen diesen Trend, wobei die Durchschnittstemperaturen in Hamburg, Bremen, Hannover, Rostock, Schwerin und Lübeck ebenfalls ansteigen.

Die Windböen zeigen ebenfalls eine Zunahme für die kommenden Tage.

In Hamburg steigen die durchschnittlichen Windböen von 19.3 km/h auf 27.8 km/h, während in Bremen ein Anstieg von 17.2 km/h auf 25.3 km/h zu verzeichnen ist. Ähnliche Trends sind auch in Hannover, Rostock, Schwerin, Sylt, Emden und Lübeck zu beobachten. Besonders auf Sylt ist mit einem deutlichen Anstieg der Windböen von 31.4 km/h auf 44.8 km/h zu rechnen.

Fazit:

Die Wetterlage in Norddeutschland wird von einem komplexen Zusammenspiel von Hoch- und Tiefdruckgebieten bestimmt. Nach abklingenden Schauern und etwas Sonnenschein am Tage, droht in der kommenden Nacht gebietsweise dichter Nebel, der in Verbindung mit sinkenden Temperaturen zu Glättebildung führen kann. Die Temperaturen steigen in den kommenden Tagen an, begleitet von einer Zunahme der Windböen. Besonders auf den Inseln und an der Küste ist mit stärkerem Wind zu rechnen.

Keine Unwetterwarnung mehr verpassen!

Unterstützen Sie unsere unabhängige Redaktion: Fügen Sie die Meteozentrale mit nur einem Klick als bevorzugte Nachrichtenquelle in Ihrer Google-Suche hinzu. So erhalten Sie unsere Warnungen bei kritischen Wetterlagen garantiert immer sofort als Erstes.

Bei Google als bevorzugt markieren

Angelo D Alterio

Angelo D'Alterio analysiert seit dem Jahr 2013 professionell komplexe Wetterphänomene. Sein meteorologischer Schwerpunkt liegt auf der Synoptik und der Erstellung präziser Unwetterwarnungen. Im Jahr 2015 war er Mitgründer der Unwetteralarm Schweiz GmbH, wo er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2021 als Chef-Meteorologe die fachliche Leitung innehatte. In dieser Zeit kooperierte er unter anderem mit dem Meteorologen Jörg Kachelmann, um präzise Unwetterwarnungen für die Schweiz und Deutschland bereitzustellen (dokumentiert im Wikipedia-Eintrag von Kachelmann). Im Anschluss begleitete er maßgeblich den Aufbau der Meteoleitstelle Hessen, wo er bis heute seine Expertise bei der Auswertung lokaler Wettermodelle und der Herausgabe von verlässlichen Unwetterwarnungen einbringt. Aktuelle Wetter-Einschätzungen und fachliche Updates veröffentlicht Angelo D'Alterio regelmäßig auf seinen Profilen bei LinkedIn, Twitter/X, Facebook, Threads, Instagram und TikTok. More »
- Anzeige -
- Anzeige / Empfehlungen -
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"