Großwetterlage
Druckverteilung über Europa als Hintergrundinformation zur Großwetterlage.
Die Wetterlage über Norddeutschland ist derzeit alles andere als stabil, geprägt von einem komplexen Zusammenspiel großräumiger atmosphärischer Systeme. Betrachten wir die Europa-Isobarenkarte, so erkennen wir ein markantes Muster: Ein großflächiger Langwellentrog, eine Art gigantische Kaltluftschneise, erstreckt sich vom Nordmeer über Südskandinavien bis hinunter nach Mitteleuropa. Dieser Trog ist jedoch nicht frei, sich ostwärts zu bewegen, da ein blockierendes Hochdruckgebiet über dem Baltikum und Westrussland seinen Weg versperrt. Stellen Sie sich eine Art Stau vor, bei dem sich die Kaltluft im Trog immer weiter aufstaut und sich der Trog selbst dabei nach Südosten ausdehnt.
Diese Blockade führt dazu, dass sich ein Teil des Jetstreams, ein Starkwindband in höheren Luftschichten, über Frankreich bis ins westliche Mittelmeer verlagert. Dort, über der Adria, schnürt sich im Laufe der Nacht ein Kaltlufttropfen ab, ein sogenannter Cut-Off-Prozess, der wiederum die Entstehung eines neuen Tiefdruckgebiets über dem Balkan begünstigt. Gleichzeitig wird das verbliebene Trogresiduum über dem östlichen Mitteleuropa immer wieder durch nachfolgende, kurzwellige Troganteile aus Westen verstärkt. Diese Troganteile sind wie kleine Kaltluftwellen, die immer wieder nachströmen und die Wetterlage zusätzlich aufmischen.
Im Ergebnis entsteht über Südschweden ein eigenständiges Höhentief, das sich vorerst kaum von der Stelle bewegt.
Auch am Boden setzt sich die Blockadesituation fort. Ein Tiefdruckkomplex mit mehreren Kernen, darunter die Tiefs “WALLY II” über dem Nordmeer und “WALLY III” über der nördlichen Nordsee, erstreckt sich über Mitteleuropa bis nach Italien. Eine Tiefdruckrinne, eine Art Ausläufer dieses Tiefdruckkomplexes, zieht sich von der Deutschen Bucht über Nordwestdeutschland bis nach Sachsen.
Diese Rinne markiert die Grenze zwischen kalter Festlandsluft im Norden und Osten, mit Temperaturen in 850 hPa Höhe (etwa 1500 Meter) zwischen -5 und -10 Grad, und maritim erwärmter Polarluft im Westen und Süden, wo die Temperaturen in dieser Höhe um -3 Grad liegen. Diese Luftmassengrenze arbeitet sich im Laufe der Nacht nur sehr langsam nach Norden vor, vor allem mit ihrem östlichen Teil. Nördlich und östlich der Rinne kommt es durch Aufgleiten und eine schwache Gegenstromlage bei stabiler Schichtung zu leichten Schneefällen, wobei im Nordosten mit leichtem bis mäßigem Frost gerechnet werden muss und nur wenige Zentimeter Neuschnee fallen.
Wetter-Wissen kompakt
Langwellentrog
Ein Langwellentrog ist eine großräumige, in der Höhe gelegene Tiefdruckrinne, die sich über mehrere tausend Kilometer erstrecken kann. Stellen Sie sich eine riesige Delle in der Atmosphäre vor, die mit kalter Luft gefüllt ist. Diese Delle beeinflusst das Wettergeschehen in einem weiten Gebiet und kann zu langanhaltenden Wetterlagen führen.
Cut-Off-Prozess
Ein Cut-Off-Prozess bezeichnet die Abschnürung eines Kaltlufttropfens von einem Haupttiefdruckgebiet. Dieser abgeschnürte Kaltlufttropfen kann sich dann verselbstständigen und als eigenständiges Höhentief agieren.
Oftmals führt dies zu einer Verlagerung der Wetteraktivität und kann die Entwicklung neuer Tiefdruckgebiete begünstigen.
Aufgleiten
Aufgleiten beschreibt den Prozess, bei dem warme, feuchte Luft über eine Schicht kalter Luft gleitet. Dabei kühlt sich die warme Luft ab, wodurch sich Wolken bilden und es zu Niederschlag kommen kann. Dieser Niederschlag fällt dann oft als Schnee, wenn die bodennahen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt liegen.
Die wichtigsten Karten im Überblick
REGENSUMME HEUTE (24h): Niederschlagsschwerpunkt nach Stadtwerten heute um 5.3 mm in Braunschweig.
WINDBÖEN HEUTE (Nachm.): Diese Karte ergänzt die Lageeinschätzung für Norddeutschland.
TEMPERATUR HEUTE (15 Uhr): Die Spannweite reicht heute grob von -3°C in Stralsund bis 6°C in Osnabrück. Typisch ist der Gradient zwischen See und Land.
WINDBÖEN NACHT (04 Uhr): Diese Karte ergänzt die Lageeinschätzung für Norddeutschland.
Wie wird das Wetter im Norden?
Niedersachsen & Bremen
In Niedersachsen und Bremen erwartet Sie ein wechselhafter Tag. Am Vormittag dominieren dichte Wolken, aus denen es immer wieder leicht regnen kann. Die Temperaturen erreichen Höchstwerte von 4 bis 6 Grad, wobei es in den höheren Lagen des Harzes etwas kälter bleibt. Der Wind weht schwach bis mäßig aus südwestlichen Richtungen.
Am Nachmittag und Abend ziehen weitere Schauer durch, die teils auch als Graupel fallen können. Die Temperaturen sinken in der Nacht auf Werte um den Gefrierpunkt. Örtlich kann es dann zu Glätte durch überfrierende Nässe kommen, insbesondere im Binnenland. Beachten Sie die Karte “WINDBÖEN NACHT (04 Uhr)”, da der Wind in der Nacht etwas auffrischt und für unangenehme Böen sorgen kann.
Schleswig-Holstein & Hamburg
Schleswig-Holstein und Hamburg erleben einen winterlichen Tag. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und leichtem Schneefall kann es zeitweise glatt werden. Der Wind weht schwach bis mäßig aus nordöstlichen Richtungen. Achten Sie auf die Karte “REGENSUMME HEUTE (24h)”, die Ihnen einen Überblick über die erwarteten Niederschlagsmengen gibt.
Auch in der kommenden Nacht bleibt es winterlich. Die Temperaturen sinken auf Werte unter den Gefrierpunkt, sodass weiterhin Glättegefahr besteht. Besonders betroffen sind die Küstenregionen und das Binnenland. Die Karte “WINDBÖEN NACHT (04 Uhr)” zeigt, dass der Wind in der Nacht etwas zunimmt und für unangenehme Windverhältnisse sorgen kann.
Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern dominiert winterliches Wetter mit Dauerfrost. Die Temperaturen erreichen tagsüber nicht den Gefrierpunkt und sinken in der Nacht auf bis zu -4 Grad. Es fällt immer wieder leichter Schnee, der zu Glätte führen kann. Der Wind weht schwach aus östlichen Richtungen.
Auch in der kommenden Nacht bleibt es frostig und es kann weiterhin leicht schneien. Die Karte “TEMPERATUR HEUTE (15 Uhr)” verdeutlicht die Temperaturunterschiede innerhalb des Landes. Besonders im Landesinneren ist mit strengem Frost zu rechnen. Seien Sie auf winterliche Straßenverhältnisse eingestellt und passen Sie Ihre Fahrweise an.
Mittelfristige Aussichten
MOS 5‑Tage Prognosen
Der 5-Tage-Trend im Detail
Wohin geht die Reise?
Die Trenddaten für Sylt zeigen eine deutliche Zunahme der Niederschlagsmengen in der zweiten Hälfte der kommenden fünf Tage. Während die erste Hälfte durchschnittlich 0.7 mm Niederschlag bringt, steigt der Wert in der zweiten Hälfte auf 2.9 mm an. Dies deutet auf eine zunehmend unbeständigere Wetterlage hin. In Göttingen hingegen nimmt die Niederschlagsmenge von durchschnittlich 3.9 mm in der ersten Hälfte auf 1.9 mm in der zweiten Hälfte ab, was auf eine leichte Wetterberuhigung schließen lässt.
Die MOS-Temperaturprognosen zeigen für die meisten norddeutschen Städte eine relativ stabile Entwicklung.
In Hamburg steigt die Durchschnittstemperatur leicht von -2.7°C auf -1.8°C, ähnlich verhält es sich in Bremen und Hannover. Rostock und Schwerin verzeichnen ebenfalls einen leichten Temperaturanstieg. Die Windböen nehmen in allen betrachteten Städten tendenziell zu, wobei Sylt mit einem Anstieg von 30.9 km/h auf 39.4 km/h den deutlichsten Zuwachs verzeichnet.
Die Wetterlage in Norddeutschland bleibt weiterhin unbeständig. Ein Tiefdruckkomplex dominiert das Geschehen und sorgt für winterliche Verhältnisse mit Schnee und Glätte, insbesondere im Osten und Norden. Während die Temperaturen in den kommenden Tagen leicht ansteigen, ist gleichzeitig mit einer Zunahme der Niederschläge und des Windes zu rechnen, besonders an der Nordseeküste. Autofahrer sollten sich auf winterliche Straßenverhältnisse einstellen und ihre Fahrweise anpassen.
Die Großwetterlage deutet darauf hin, dass sich an der unbeständigen Situation vorerst wenig ändern wird.
Keine Unwetterwarnung mehr verpassen!
Unterstützen Sie unsere unabhängige Redaktion: Fügen Sie die Meteozentrale mit nur einem Klick als bevorzugte Nachrichtenquelle in Ihrer Google-Suche hinzu. So erhalten Sie unsere Warnungen bei kritischen Wetterlagen garantiert immer sofort als Erstes.
⭐ Bei Google als bevorzugt markieren












