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Wintereinbruch: Schnee bis ins Flachland. Die Wahrheit hinter der Lüge.

Wer gerne Nachrichten im Web liest, wird auch heute über einige neue Headlines zum Thema Wintereinbruch gestoßen sein. So kann man zum Beispiel bei einem großen „Wettervorhersager“ lesen. Wintereinbruch mit Schnee bis ins Flachland oder Kälte-Klatsche im Dezember, -30 Grad im Dezember möglich.

Journalisten wissen, wie man eine kleine Wahrheit als große Headline verkaufen kann, ohne sich dabei anlastbar zu machen. Was wirklich an den Gerüchten über einen möglichen Wintereinbruch dran ist, erfahren Sie im folgenden Bericht.

Hoch kämpft gegen Tief und anderen Grenze wird es spannend

Wie schon in meinem letzten Bericht erwähnt, haben wir es derzeit mit zwei Luftdruckgegensätzen zu tun, welche sich in den kommenden Tagen verstärken werden. Wir haben auf der einen Seite ein kräftiges Tief über dem Süden von Island und ein gewaltiges Hoch im Osten von Europa. Das Tief lenkt in den kommenden Tagen milde Luftmassen aus Westen in Teile von Deutschland.

Das Hoch im Osten bringt mit einer östlichen Strömung kühle Luftmassen aus Russland nach Mitteleuropa. Und nun kommt der springende Punkt, dort wo diese 2 Luftmassen zusammentreffen bildet sich eine Luftmassengrenze. In diesem Bereich kommt die feuchte Luft aus Westen mit der kalten Luft aus Osten zusammen und würde nach jetzigem Stand Schneefälle auslösen, welche bis ins Flachland fallen.

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Luftmassenverteilung über Mitteleuropa am Ende der Woche.

Diese Karte zeigt die Temperaturen, welche das ECMWF Wettermodell bis zum Ende dieser Woche berechnet. Wie Sie sehen können, schwappt kalte Luft aus Osteuropa nach Deutschland, welche jedoch nach jetzigem Stand im Nordosten verweilt. Und jetzt sind wir am springenden Punkt. Eine Verallgemeinerung der Wetterlage ist an dieser Stelle völlig falsch. Denn, wenn überhaupt würde es nur Schnee in Mecklenburg-Vorpommern und Teilen von Brandenburg geben. Vielleicht auch in Berlin. 80 Prozent der Bundesbürger verweilen jedoch unter dem Tief, welches wechselhaftes Wetter mit Regen bringt.

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Schneehöhen über Deutschland in der kommenden Woche

Diese Karte zeigt die aktuellen Schneehöhen in den kommenden 10 Tagen akkumuliert. Das Alpenvorland und die Alpen lassen wir dabei außen vor. Wie sie sehen können, wird eben genau in diesem Bereich der Luftmassengrenze eine Schneedecke simuliert. Dies gilt ebenfalls für das Erzgebirge und den Bayrischen Wald. Im Rest von Deutschland bleibt es nach wie vor grün und relativ mild.

Fazit: Ich betone es immer wieder. Eine Überschrift in einem Artikel ist das A und O, Leser auf eine Seite zu locken. Liest man den Artikel kommt man jedoch schnell dahinter, dass meist nur ein kleiner Teil überhaupt betroffen sein könnte. Würde man die Überschrift umbenennen wie zum Beispiel in „Wintereinbruch im Nordosten von Deutschland“ würde nach meinem Ermessen 80 Prozent den Artikel überhaupt nicht wahrnehmen. Diese Art von Journalismus ist nicht verboten. Denn meist steckt hinter jeder kleinen Lüge ein Funken Wahrheit 🙂

Aktualisiert am 15. November 2022 10:35 Uhr