Hessen steht derzeit vor einer Bewährungsprobe: Das Bundesland sieht sich einer zunehmenden Hochwassergefahr ausgesetzt, die sowohl für Einwohner als auch für die Infrastruktur Folgen haben könnte. Grund dafür ist der anhaltende Dauerregen, der ein Produkt der Luftmassengrenze ist, die quer über Teile des Bundeslands herrscht und zu einer markanten Trennung der Wetterlagen führt.
Die aktuelle meteorologische Situation
Eine markante atmosphärische Trennlinie sorgt für die Teilung: Südlich dieser Grenze findet sich milde und feuchte Luft, während der Norden Hessens von kühlerer und trockenerer Luft umfasst wird. Mit der Einbindung in die Warmfront eines atlantischen Tiefs aus westlicher Richtung dringt die wärmere Luft allmählich Norden vor. Dies hat zur Folge, dass sich der Regen intensiviert und insbesondere über Hessen ergiebige Niederschläge fallen. Bis zum Ende der Woche sind lokal Regenmengen zwischen 40 und 70 Liter pro Quadratmeter möglich – eine Menge, die das Hochwasserrisiko signifikant erhöht.

Ansteigende Pegel an Flüssen und Bächen
Die Flusspegel in der hessischen Region zeigen schon deutlich die Auswirkungen des Dauerregens: Vielerorts sind bereits markante Anstiege zu verzeichnen. Experten prognostizieren in den kommenden Tagen weitere Überschreitungen der Hochwassermeldestufen.
Warnung für die Lahn und ihre Zuflüsse
Die gegenwärtige Situation an der Lahn und bei ihren Nebenflüssen lässt mancherorts ebenfalls die Alarmglocken klingen. Eine Kombination aus vollständig gesättigten Böden und weiteren Niederschlägen sorgt für rapide ansteigende Pegel in den Zuflüssen und der Lahn selbst. Erste Hochwassermeldestufen sind bereits überschritten, weitere werden mit hoher Wahrscheinlichkeit folgen.

Fokus auf die Fulda
Ähnlich kritisch zeigt sich das Bild entlang der Fulda. Hier hat der Regen für deutlich angewachsene Wasserstände gesorgt, wobei erste Überschreitungen der Warnstufen schon erfolgt sind oder unmittelbar bevorstehen. Es wurde zusätzlich vorsorglich in die Talsperrenkapazitäten investiert, um Rückhaltemöglichkeiten für den Hochwasserfall zu maximieren.

Prognosen und Sicherheitsmaßnahmen
Neben der Überwachung der momentanen Lage ist es essenziell, dass auch die Vorausschau nicht zu kurz kommt. Experten beobachten aufmerksam die Entwicklungen und kündigen an, dass bei Flüssen wie der Kinzig Meldestufe 1 und eventuell sogar Stufe 2 im Laufe der nächsten Stunden überschritten werden könnten.
Die Prognosen laden eine zu gesteigerte Wachsamkeit und Umsicht. Besonders für Anwohner sowie für die Verkehrsteilnehmer sind nun Wachsamkeit und die Bereitschaft zur Anpassung an die Situation gefordert, um die Risiken und möglichen Schäden zu minimieren.
Wie viel Regen ist in den kommenden 24 Stunden in Hessen zu erwarten?

Die Prognosen für Niederschläge in den 24 Stunden zeigen laut dem ICON D2 des Deutschen Wetterdienstes Regenmengen in den kommenden 24 Stunden zwischen 15 Liter in Kassel, 25 Liter in Ulrichstein und 14 Liter in Bad Nauheim. Akkumuliert mit den bereits gefallen Niederschlägen der letzten 24 Stunden kommt man Lokal auf 50 bis 70 Liter in den Staulagen der hessischen Mittelgebirge. Mit einem großen Hochwasser ist nach jetzigem Stand jedoch nicht zu rechnen.
Titelbild: Jens Henkel